Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

Ein Kompositionsprojekt zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017

Bereits vor einigen Jahren waren Superintendent Manfred Sauer und ich übereingekommen, für das Jubiläumsjahr 2017 ein gemeinsames musikalisches Projekt ins Leben zu rufen, das die traditionell enge Verbindung zwischen Protestantismus und der Alten Musik zum Ausdruck bringen sollte, war es doch Martin Luther, der es wie kein anderer verstand, die Musik zur vielleicht wirksamsten Waffe der Reformation zu machen. Ganz nebenbei legte er mit seinem energischen Eintreten für den Volksgesang einen wesentlichen Grundstein zur weiteren Entwicklung der abendländischen Musikkultur. Selbst die Frage, ob ohne Luthers Zutun Komponisten von der Größe und Bedeutung eines H. Schütz‘ oder J.S. Bachs überhaupt denkbar wären, kann getrost mit »Nein« beantwortet werden. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, eine »musikalische Andacht« mit eigens für diesen Zweck geschriebenen Liedern auszustatten, die nach ihrer Premiere nicht in der Schublade verschwinden, sondern in der Liturgie und im musikalischen Leben der Pfarren weitere Verwendung finden sollten. Ganz bewusst entschieden wir uns dazu, die Auftragswerke für die intime Besetzung Laute und Stimme komponieren zu lassen. Einerseits, weil die Laute zur Zeit des Thesenanschlages neben der Orgel zu den beliebtesten Instrumenten zählte und unzählige Komponisten der Renaissance sich ihrer bedienten, andererseits sollte – wohl auch ganz im Sinne des Reformators – das Wort im Zentrum stehen und von der Musik (nur) getragen und unterstützt werden. Überdies galt es, die entstandenen Lieder in möglichst vielen Pfarren und mit vertretbarem Aufwand im Laufe des Jubiläumsjahres zur Aufführung bringen zu können.

Die Sängerinnen Johanna von der Deken und Aleksandra Raszynska sowie der Lautenist Fabio Accurso werden uns als Interpretinnen und Interpreten für dieses Projekt zur Verfügung stehen. In den nächsten Wochen werden nach und nach Termine für diese musikalischen Andachten fixiert, die ich Ihnen auf telefonische Anfrage unter 04223 / 29079 bzw. via Mail an 1517-2017@trigonale.com gerne mitteile. Zwar entstand dieses Projekt für die Evangelische Kirche in Kärnten, im Sinne einer gelebten Ökumene kann ich mir jedoch durchaus vorstellen, damit auch in katholischen Kirchen zu Gast zu sein. Bei Interesse möge man mich bitte unter oben genannter Telefonnummer oder via Mail kontaktieren. Es freut mich außerordentlich, dass die trigonale mittels dieses Projektes einen Beitrag zum Jubiläum der Reformation leisten kann, gibt es doch auch im diesjährigen Festival einiges an Musik, die wir zumindest indirekt Martin Luther zu verdanken haben.

Stefan Schweiger, Leiter der trigonale

 

Bei den ersten Vorüberlegungen für das 500-jährige Reformationsjubiläum spielte die Musik naturgemäß eine ganz zentrale Rolle. Von Stefan Schweiger kam der Impuls und die Idee, für dieses besondere Jubiläum doch etwas Neues zu wagen, also ein Kompositionswerk in Auftrag zu geben und damit gleichzeitig etwas Zeitgenössisches und Bleibendes zu schaffen. Diese Idee haben wir begeistert aufgegriffen und in weiterer Folge mit den Verantwortlichen unserer Pfarrgemeinden leidenschaftlich diskutiert. Die Begeisterung und Zustimmung war sehr groß, und nachdem die Privatstiftung der Kärntner Sparkasse zugesagt hat, dieses faszinierende Projekt als Hauptsponsor zu unterstützen, konnten wir mit der Umsetzung beginnen. Mit Wolfgang Muthspiel und Tristan Schulze konnten zwei bedeutende, exzellente und erfahrene Musiker und Komponisten gefunden werden, die mit großem Einfühlungsvermögen und enormem kreativem Elan begonnen haben, die übermittelten Texte zu vertonen. Helga Duffek, Ivana Kampus, Claudia Rosenwirth-Fendre und ich haben Texte zur Verfügung gestellt. Dazu kommen Gedichte und literarische Texte, die von den Komponisten selbst ausgewählt wurden. Aus den übermittelten und ausgesuchten Texten ist ein ca. 40-minütiges kompositorisches Gesamtkunstwerk entstanden, das in mehreren Pfarrgemeinden zur Aufführung gebracht wird.

Möglicherweise steht dieses Kompositionswerk in der biblischen Tradition der Psalmen, die ja großteils gesungene Gebete sind und als Klage- und Loblieder einen wichtigen Platz im gottesdienstlichen Geschehen hatten und haben. »Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!« Dieser letzte Vers des 150. Psalms wurde titelgebend für unser zeitgenössisches Kompositionsprojekt. Mögen die Lieder, die Worte und die Musik, die dazu entstanden sind, für alle zu einem ermutigenden Lobgesang werden, das Leben zu feiern und für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.

Manfred Sauer, Superintendent der Evangelischen Kirche Kärnten-Osttirol