Giesme wakarine | Pieśń wiecźorna*

 Von der Musik Polen-Litauens im 16. Jahrhundert

Nora Petročenko – Sopran
Radosław Pachołek – Countertenor
Maciej Gocman – Tenor
Nerijus Masevičius – Bass
Morgaine

Alina Rotaru – Cembalo, Orgel
Darius Stabinskas – Viola da gamba
Karin Silldorff – Blockfl.ten
Michele Carreca – Laute

Als Sigismund II. Augustus (1520-1572), ab 1529 Großfürst von Litauen, 1530 Vivente Rege zum König von Polen gekrönt, um die Mitte des 16. Jahrhunderts Vilnius zu einer seiner wichtigsten Residenzen macht, setzt in der Stadt am Baltikum eine kulturelle Blütezeit ein. Sigismund, der seine Liebe zur Kunst wohl von seiner Mutter Bona Sforza (1494- 1557), einer Prinzessin aus dem italienischen Geschlecht der Sforza, geerbt haben muss und eine musikalische Ausbildung genossen hatte, beschäftigte an seinem Hof eine beachtliche Anzahl ausgezeichneter Musiker aus Italien, Polen, Deutschland und Flandern; ein Umstand, der die polnisch-litauische Gesellschaft und ihr künstlerisches Leben nachhaltig beeinflussen sollte. Zeitgleich wird auch Litauen von der Reformation erfasst, was dazu führt, dass im religiösen Leben Latein mehr und mehr von den lokalen Sprachen verdrängt wird. 1580 erscheint erstmals eine Vertonung der von Jan Kochanowski ins Polnische übersetzten Psalmen Davids, Melodiæ ná psalterz polski von Mikołaj Gomółka. Eine weitere Übersetzung der Psalmen folgt 1598 – diesmal zweisprachig (polnisch und litauisch) – im Polski z Litewskim Katechizm des Reformators Merkelis Petkevičius.

Wieder ein halbes Jahrhundert später veröffentlicht der Jesuit Salamonas Mozerka Slavočinskis das katholische Gesangsbuch Giesmes tikieimvy katholickam pridiarancias (1646), welches nicht nur wegen der beträchtlichen Anzahl der darin enthaltenen Psalmübersetzungen von besonderer Bedeutung ist, sondern vielmehr auch durch die darin verwendete kreative und erhabene Sprache besticht.

Mit dem Ausbruch des russisch-polnischen Krieges im Jahr 1654 und dem nur ein Jahr später erfolgten Kriegseintritt Schwedens findet die unter Sigismund II. Augustus eingeläutete goldene Ära ein jähes Ende. Zum ersten Mal in der litauischen Geschichte fällt Vilnius unter russische Besatzung und wird von den Soldaten des Zarenreiches in Schutt und Asche gelegt. Es sollten viele Jahre ins Land ziehen, ehe wieder Bücher in der Landessprache verlegt werden.

Die oben erwähnten Quellen sind Basis von Giesme wakarine | Pieśń wiecźorna | Abendlied, einem Programm, mit dem das 2016 von Alina Rotaru und Darius Stabinskas gegründete Ensemble Morgaine jener bedeutsamen Zeit in der polnisch-litauischen Geschichte gleichsam ein musikalisches Denkmal setzen will. Wir hören Werke der Komponisten Mikołaj Gomółka, Wacław z Szamotuł, Cyprian Bazylik und Krzysztof Klabon.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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