Abschlusskonzert der trigonale 2018

Sonntag, 16. September | 18 Uhr
Seminarkirche Tanzenberg

Lars Ulrik Mortensen – Cembalo & Leitung

Ensemble in Residence 2018
Veronika Skuplik, Mónika Tóth – Violine
Lucas Schurig – Viola
Daniel Rosin – Cello
Olga Watts – Orgel
Barbara Fischer – Violone
Igor Davidovics – Theorbe
Loredana Gintoli – Harfe
Carles Cristobal – Dulzian

Profeti della Quinta
Doron Schleifer, Roman Melish – Countertenor
Lior Leibovici, Dan Dunkelblum – Tenor
Elam Rotem – Bass

 

Salomone Rossi (ca. 1570 – ca. 1630) ist uns heute vor allem durch seine Psalmenvertonungen in hebräischer Sprache ein Begriff. Dass er uns überdies viel Instrumentalmusik als auch eine beträchtliche Anzahl an weltlichen Vokalwerken hinterlassen hat, tritt dabei in den Hintergrund. Abgesehen von seinem berühmten Opus sakraler Musik in hebräischer Sprache Hashirim asher li’Shlomo (Venedig 1622/23) veröffentlichte der Komponist vier Bücher mit Instrumentalmusik und neun Bücher mit weltlichem, italienischem Repertoire – also Musik, die für einen säkularen Kontext bestimmt war. Dieser Umstand lässt durchaus den Schluss zu, dass Rossi selbst sich eher als Mantovano (in Mantua ansässig) denn als Hebreo (jüdisch) sah.

Rossis reizvolle weltliche Werke waren zumeist Bestandteil von Theateraufführungen, Bällen und Kammerkonzerten und kamen aller Wahrscheinlichkeit nach regelmäßig am Hofe der Gonzaga in Mantua zur Aufführung, wo er wohl auch die meiste Zeit seines musikalischen Lebens gewirkt haben dürfte.

Neben dem fruchtbaren Schaffen des Mantovano im Bereich der weltlichen Musik war es dem Juden Rossi allerdings auch ein Anliegen, die zur Verwendung in der Synagoge bestimmte Musik zu revolutionieren. Dies geschah, indem er polyphone Sätze hebräischer Gebete und Psalmen in die Liturgie einführte. Eine Sammlung solcher Werke wurde, wie bereits erwähnt, im Hashirim asher li’Shlomo veröffentlicht. Die Errichtung des jüdischen Ghettos in Mantua (1612) könnte ein wesentlicher Impuls für Rossis neue Synagogalmusik gewesen sein. Doch auch die Ansicht einiger Musikwissenschaftler, dass der Ausschluss der jüdischen Bevölkerung Mantuas aus der christlichen Gesellschaft für ihn Grund und Möglichkeit zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Erbe gewesen sein könnte, ist nicht von der Hand zu weisen.

Musikalisch gesehen folgt Rossi, der sich von der Musik des alten Jerusalemer Tempels inspirieren ließ, präzise den Akzenten in der Deklamation der hebräischen Sprache und schmückt diese lediglich mit einfachen Harmonien. Deshalb fällt es leicht, dem Text zu folgen und gleichzeitig die überaus feine Musik zu genießen. Es scheint, als wäre er weniger darauf bedacht, den Zuhörer zu beeindrucken als dessen Herz zu berühren.

Rossis Innovation hätte durchaus der Beginn einer Renaissance jüdischer Musik sein können: Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte pflegte mit dem Ghetto von Mantua ein jüdisches Zentrum seine eigene Musik im Stile der Zeit, jenseits der traditionellen Klänge der Synagoge und des täglichen Lebens. Umso bedauerlicher ist es, dass diese soziale und musikalische Revolution keine Fortsetzung fand, denn der Ort, der ihr Zentrum hätte werden können – das Ghetto von Mantua –, wurde bereits im Jahr 1630 während der Besetzung der Stadt durch die österreichischen Truppen fast vollständig zerstört. Nach diesem tragischen Ereignis verlieren sich jegliche Spuren von Salomone Rossi. Wann und unter welchen Umständen sein Leben endete, bleibt, wie so viele andere Details seiner Biographie, bis zum heutigen Tage ein Mysterium.
Elam Rotem und Dan Dunkelblum


Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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