05 – ALLES MUSS GEHÖRIG SINGEN!

Von der Rhetorik in der Instrumentalmusik

Samstag, 7. September | 20.30 Uhr
Rathaus St. Veit/Glan

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JOHANNA BARTZ – Traverso
PETER CROTON – Laute

»Weil nun die Instrumentalmusic nichtes anders ist, als eine Tonsprache oder Klangrede, so muß sie ihre eigentliche Absicht allemahl auf eine gewisse Gemüthsbewegung richten, welche zu erregen, der Nachdruck in den Intervallen, die gescheute Abtheilung der Sätze, die gemessene Fortschreitung u. d. g. wol in Acht genommen werden müssen. Und obgleich bey Instrumenten mehr Freiheit zu seyn scheinet, als bey Singstimmen; so ist doch solche einem unwissenden Setzer mehr schäd- als nützlich, und gibt demjenigen, der seinen wilden Einfällen den Zügel läßt, nur desto grössern Anlaß zu allerhand Misgeburten und unförmlichem Geklängel, falls er nicht vorher durchs Singen gefaßt hat, worin das wolgestalte und förmliche Wesen der Melodie bestehet.
Alles Spielen ist nur eine Nachahmung und Geleite des Singens, ja, ein Spieler, oder der für Instrumente was setzet, muß alles, was zu einer guten Melodie und Harmonie erfordert wird, viel fleißiger beobachten, als ein Sänger, oder der für Singstimmen componirt: dieweil man bey dem Singen die deutlichsten Worte zum Beistande hat; woran es hergegen bey Instrumenten allemahl fehlet.«

So zu lesen in Johann Matthesons 1739 erschienener Schrift »Der vollkommene Capellmeister«, in der uns der Hamburger Musiker, Komponist und Musikschriftsteller tiefe Einblicke in das musikalische Denken des frühen 18. Jahrhunderts gewährt.
Die Traversflötistin Johanna Bartz und der Lautenist Peter Croton gehören zwar zwei unterschiedlichen Künstlergenerationen an, was sie allerdings eint, ist ihr ganz persönlicher Zugang zu Matthesons Idee der Klangrede. Mit ihrem Duoprojekt lassen sie uns nicht nur daran teilhaben, sie liefern auch den Beweis dafür, dass weniger tatsächlich mehr sein kann. Wie in kaum einer anderen Besetzung sonst wird rhetorischer Ausdruck in feinen Nuancen von Dynamik und Klangfarben dargestellt. Die musikalischen Linien zweier Instrumente verweben sich in rhythmischer Flexibilität und gleichen dabei Tänzern, die ihre Individualität behalten und dabei dennoch gemeinsam ein Ganzes kreieren.
Mit Werken von S.L. Weiss (1687-1750), G.P. Telemann (1681-1767), J. Dowland (1563-1626), P. Verdelot (ca. 1480-ca. 1532), F. da Milano (1497-1543) u.a.
ÜBER DIE KÜNSTLER

Johanna Bartz ist in einem kleinen Dorf inmitten der mecklenburgischen Seenplatte aufgewachsen. Nachdem sie im musikalischen Früherziehungsunterricht kaum Begabung für Singen, Rhythmenklatschen oder das Auffinden des Unterrichtsraumes gezeigt hatte, wagten ihre Eltern dennoch einen weiteren Versuch und kauften ihr eine Blockflöte. Seit ihrem 14. Lebensjahr begleitet die Traversflöte sie auf ihren Wegen mit Stationen in Berlin, Brüssel und Basel, wo sie seit 2016 ihr Können auf der Renaissancetraverso als Dozentin an der Schola Cantorum Basiliensis weitergibt. Von großem Einfluss waren für Johanna ihre Lehrer Annette von Stackelberg, Christoph Huntgeburth, Barthold Kuijken, Marc Hantaï und Anne Smith sowie die Zusammenarbeit mit ihren Ensembles, u.a. Ensemble El Gran Teatro del Mundo und astrophil & stella.
www.johannabartz.com

Der Lautenist Peter Croton, geboren in New York City, lebt in der Schweiz, wo er an der Schola Cantorum Basiliensis und an der Hochschule der Künste in Bern unterrichtet. Er hat seine Leidenschaft für Musik früh entdeckt, und so begann er bereits im zarten Alter von sechs Jahren als Folk-Gitarrist und Sänger aufzutreten. Mit zwölf Jahren fing er an, klassische Gitarre zu erlernen, als Teenager spielte er außerdem in verschiedenen Jazzformationen. Am Oberlin Conservatory of Music und der Schola Cantorum Basiliensis studierte Peter in der Folge Laute. Er spielte zahlreiche CDs ein, schrieb vier Bücher über  die Laute, die Gitarre und über die rhetorische bzw. historische Aufführungspraxis und komponierte darüber hinaus Lieder mit Gitarren- und Lautenbegleitung. Unter jenen Personen, die ihn musikalisch beeinflussten, sind vor allem Joe Pass, James Taylor, Stevie Wonder und sein Lautenlehrer Eugen Dombois zu nennen.
www.peter-croton.com

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