05 – Auf nach Wien!

Freitag, 7. September | 20.30 Uhr
Rathaus St. Veit/Glan

Sharon Prushansky – Hammerflügel

AleaEnsemble
Andrea Rognoni – Violine
Stefano Marcocchi – Viola
Marco Frezzato – Cello

Als Wolfgang Amadeus Mozart am 27. Jänner 1756 in Salzburg geboren wurde, hielt sich der aus Kopidlno in Böhmen stammende Komponist, Musiker und Pädagoge Josef Anton Steffan (1726–1797) bereits seit 15 Jahren in Wien auf. 1741 flüchtete er vor der preußischen Armee, trat in die Dienste eines Grafen Schlick, erhielt Kompositions- und Cembalounterricht von Georg Christoph Wagenseil und genoss bald den Ruf des brillantesten und virtuosesten Cembalisten der Stadt.

Steffans kompositorisches Œuvre umfasst geistliche Werke und Kammermusik, von Bedeutung sind aber vor allem seine Kompositionen für Cembalo und Hammerklavier, in denen er mit konventionellen Regeln seiner Zeit brach und eine individuelle musikalische Handschrift entwickelte. Doch selbst seine Popularität und seine Stellung am Kaiserhof – er war Klaviermeister der Prinzessinnen Maria Karolina und Maria Antonia (später Marie Antoinette) – konnten nicht verhindern, dass er bereits lange vor seinem Tod 1797 nahezu vollständig in Vergessenheit geraten war.

Wien mit seinen rund 175.000 Einwohnern war um diese Zeit die größte Stadt des deutschsprachigen Raumes und galt schon damals als Metropole der Musik. Dies wohl auch deswegen, weil die herrschenden Habsburger in der Förderung der Künste zumindest am Beginn des 18. Jahrhunderts ganz bewusst Schwerpunkte in diese Richtung setzten. Man erinnere sich daran, dass selbst Antonio Vivaldi beinahe zeitgleich mit Steffan hierherkam, er aber das Pech haben sollte, dass sein potentieller Arbeitgeber Karl VI. 1740 ganz plötzlich und unerwartet verstarb. Viel länger sollte auch Vivaldi nicht am Leben bleiben. Nur ein Jahr später verschied er, und unbeachtet von der Musikwelt fand er auf einem Gottesacker nahe der Karlskirche seine letzte Ruhestätte.

Bereits unter Karls Nachfolgerin und Tochter Maria Theresia setzte allerdings eine gegenläufige Entwicklung ein, die durchaus Parallelen zur heutigen Situation aufweist und sich unter dem Reformkaiser Joseph II. weiter fortsetzen sollte: Die Aufwendungen für Musik und Kultur wurden zu Gunsten der Sicherheit und Versorgung reduziert.

Paul Wranitzky, geboren wie Mozart im Jahr 1756, wuchs im mährischen Neureisch auf, wo er schon als Kind Unterricht in Gesang, Orgel und Violine erhielt. Auf Geheiß seiner Eltern machte er sich 1776 auf den Weg nach Wien, um dort ein Studium der Theologie zu beginnen. Doch ihr Wunsch nach einem Priester in der Familie erfüllte sich nicht. Er nahm Kompositionsunterricht, trat aus dem Seminar aus, widmete sich fortan höchst erfolgreich der Musik und hinterließ uns ein Schaffen immensen Umfanges.

Seine 1789 uraufgeführte Oper Oberon, König der Elfen stieß auf so große Begeisterung, dass sie sich für gut drei Jahrzehnte auf den Spielplänen vieler europäischer Opernhäuser halten sollte. Vermutlich war auch sein Freund und Freimaurerkollege Mozart bei der Premiere anwesend, dessen Freund Emanuel Schikaneder wiederum, animiert durch den Erfolg dieser Oper, in der Folge das Libretto für Mozarts Zauberflöte schrieb.

Selbst der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe zählte zu den Bewunderern Wranitzkys, was dadurch zum Ausdruck kam, dass er in diesem den geeigneten Komponisten für die Vertonung einer aus seiner Feder stammenden Fortsetzung der Zauberflöte sah. Aus dem teilweise überlieferten Briefwechsel zwischen den beiden erschließt sich allerdings, dass dieses Vorhaben an der Engstirnigkeit der Wiener Hoftheaterdirektion scheiterte. Doch nicht nur als Komponist war Wranitzky höchstes Ansehen beschieden, er zählte auch zu den gefragtesten Dirigenten seiner Zeit und genoss als solcher große Wertschätzung seiner Kollegen und Freunde Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn. Dennoch – es sollte nicht lange dauern, ehe auch sein Name aus der öffentlichen Wahrnehmung und somit aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden sollte.

Über Wolfgang Amadeus Mozart muss an dieser Stelle wohl nicht viel berichtet werden, denn im Gegensatz zu Josef Anton Steffan und Paul Wranitzky war und ist er seit seinen ersten Auftritten als musikalisches Wunderkind in aller Munde und seine Werke erfreuen sich auch mehr als 225 Jahre nach seinem Tod noch ungebrochener Popularität.

Und vielleicht gelingt es Sharon, Andrea, Stefano und Marco in diesem Konzert, jene beiden Kollegen Mozarts, die zeitgleich mit ihm in der pulsierenden Hauptstadt des Kaiserreiches wirkten und ebenfalls dort ihr Glück suchten, ein Stück weit dem Vergessen zu entreißen. Verdient, so meinen wir, hätten sie es allemal.

Neben W.A. Mozarts Klavierquartetten Nr. 1 in g-Moll, KV 478 (1785) und Nr. 2 in Es-Dur, KV 493 (1786) hören wir P. Wranitzkys Trio für Violine, Viola und Violoncello Nr. 2 in D-Dur op. 17 sowie J.A. Steffans Capriccio Nr. 1 in g-Moll für Fortepiano.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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