… dass wir getrost und all in ein mit Lust und Liebe singen!

 Alte und neue Choräle in der Tradition Luthers

Pro Musica Girls Choir
Denes Szabo – Einstudierung
Enrico Gatti, Rossella Croce – Violine
Ayako Matsunaga – Viola
Judith-Maria Blomsterberg – Cello
Riccardo Coelati Rama – Violone
Guido Morini – Orgel & Leitung

Ein »herrlich und göttlich Geschenck und Gabe«, die den Menschen »fröhlich mache«, eine Gabe, die der Teufel »nicht gerne erharret« – so pries einst Martin Luther die »Musica«. Und schon ein Blick in seine Biographie offenbart, warum die Musik im Leben und Wirken des großen Reformators von zentraler Bedeutung war und auch bleiben sollte:

Bereits in jungen Jahren, während seiner Zeit als Schüler der Lateinschule in Eisenach, erhielt er eine Ausbildung in Musiktheorie, sang im Chor der dortigen Georgenkirche und zog als Mitglied der Eisenacher Kurrende von Haus zu Haus, um singend an den Türen der reichen Patrizier Parteken (das zum Leben Notwendige) zu erbetteln.

Im Frühjahr 1501 schrieb sich Luther an der Universität Erfurt ein, wo er noch vor seinem erst 1507 begonnenen Theologiestudium wie damals üblich die Artistenfakultät besuchte und sich dort ganz dem Studium der Septem artes liberales – Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und eben auch Musik – widmete. Als 1523 – sechs Jahre nach dem Thesenanschlag an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg und dem damit einhergehenden Beginn der Reformation – seine Schrift Von ordenung gottis diensts ynn der gemeine erschien, beklagte er darin, dass »allein der Chor der Pfaffen und Schüler singt«, und da ihm viel an der Belebung der frühchristlichen Praxis des Gemeindegesanges gelegen war, schrieb er weiters: »Ich wollte heute gerne eine deutsche Messe haben […] ich wollt ja gerne, daß sie eine rechte deutsche Art hätte. Denn daß man den lateinischen Text verdolmetscht, und lateinischen Ton oder Noten behältt, lasse ich geschehen; aber es lautet nicht artig noch rechtschaffen. Es muß beide, Text und Noten, Accent, Weise und Geberbe aus rechter Muttersprache und Stimme kommen; sonst ist Alles ein nachahmen wie die Affen thun.«

Wohl auch um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, betätigte sich der Reformator in der Folge selbst sehr erfolgreich als Texter und Komponist, und so manche seiner insgesamt rund 40 überlieferten Liedtexte und 20 Melodien erfreuen sich bis zum heutigen Tag großer Beliebtheit. Beispielhaft dafür seien seine Psalmvertonung Aus tiefer Not schrei ich zu dir, das bekannte Reformationslied Ein feste Burg ist unser Gott sowie Vom Himmel hoch, da komm ich her genannt.

Bereits drei Jahre später, also 1526, sind in Luthers Deutscher Messe und Ordnung Gottisdiensts deutschsprachige Lieder fester Bestandteil der Messfeier, auch hatte man inzwischen damit begonnen, selbige in eigenen Gesangsbüchern herauszugeben.

Ob es Martin Luther bewusst war, dass er mit seinen Ideen nicht nur die Musik zur wohl wirksamsten Waffe der Reformation machen, sondern darüber hinaus einen wesentlichen Grundstein zur weiteren Entwicklung der europäischen Musikkultur legen würde?

Unbestritten ist jedenfalls, dass er Spuren hinterlassen hat, die weit über die geistliche Musik hinaus bis in die Gegenwart reichen. Selbst in W.A. Mozarts Zauberflöte begegnet uns sein Choral Ach Gott, vom Himmel sieh darein im Gesang der Geharnischten, seine Melodien finden sich auch in Werken von F. Mendelssohn Bartholdy, J. Brahms und M. Reger. Und ohne Übertreibung kann behauptet werden, dass wir Luthers besonderem Musikverständnis letztlich auch die Musik und das Schaffen so großer Komponisten wie H. Schütz und J.S. Bach zu verdanken haben …

Wenn an diesem Nachmittag im 500. Jubiläumsjahr der Reformation die 50 Mädchen des aus Ungarn stammenden Pro Musica Girls‘ Choir gemeinsam mit sechs herausragenden Instrumentalisten die Bühne in der Tanzenberger Seminarkirche betreten, erklingen gleichsam zu Ehren Martin Luthers Choräle der Komponisten J. Walther – Urkantor der evangelischen Kirche, M. Vulpius, M. Praetorius, M. Altenburg, J.H. Schein, D. Buxtehude sowie J.S. Bach und treffen auf Neuschöpfungen, die der italienische Komponist, Cembalist und Organist Guido Morini eigens für dieses Projekt und somit für einen der weltweit besten Mädchenchöre entstehen ließ.

 

 


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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