04 – Death in Venice

Das venezianische Lamento und seine englischen Nachahmer

Freitag, 7. September | 19 Uhr

Stiftskirche St. Georgen/Längsee

Gallicantus
Miriam Allan – Sopran
Andrew Cooper – Countertenor
Julian Gregory – Tenor
James Reese – Tenor
Gabriel Crouch – Bariton
Giles Underwood – Bass

Alon Sariel – Laute, Theorbe

Als der frankoflämische Komponist Adrian Willaert (1490–1562) um das Jahr 1515 vom Mailänder Kardinal Ippolito I., Bruder von Alfonso I. d’Este, als Kapellmeister nach Mailand berufen wurde, hatte er wohl kaum eine Vorstellung davon, welch bedeutende Rolle er eines Tages im Musikleben Italiens – und letztlich Europas – spielen würde.

Nach insgesamt zwölf Jahren in Diensten der Familie d’Este, mit der Willaert zeitlebens enge Freundschaft verband, wurde ihm 1527 die Stelle des Kapellmeisters an San Marco in Venedig angeboten, was bereits damals als große Auszeichnung galt. Doch erst durch sein Wirken sollte dieses Amt eine Strahlkraft und Bedeutung erlangen, die in ganz Europa wahrgenommen wurde.

Willaerts Verdienst ist es auch, dass sich während seiner Zeit an San Marco um ihn ein Kreis aus jungen und aufstrebenden Komponisten bildete, der nach heutigen Erkenntnissen durchaus als Keimzelle der Venezianischen Schule bezeichnet werden kann – einer Strömung, die über viele Jahrzehnte europaweit das musikalische Leben nachhaltig beeinflussen sollte und zu deren namhaftesten Vertretern die Komponisten Cipriano de Rore (1515–1565), Giovanni Croce (1557–1609), Claudio Merulo (1533–1604), Andrea Gabrieli (ca. 1532–1585), Giovanni Gabrieli (1557–1612) und Claudio Monteverdi (1567–1643) gezählt werden können.

Die Entwicklung ebendieser Venezianischen Schule nachzuzeichnen, haben sich das Vokalensemble Gallicantus und der Lautenist Alon Sariel zur Aufgabe gemacht. Sie tun das unter Verwendung von Kompositionen, die allesamt entstanden sind, um persönlichen oder gemeinschaftlichen Schmerz musikalisch zum Ausdruck zu bringen, denn nicht selten waren – und sind – es gerade die elementaren Ereignisse Tod und Verlust, denen wir die berührendsten und wirkungsmächtigsten Werke zu verdanken haben.

Neben Claudio Monteverdis herzzerreißendem Lamento D’Arianna, seinem nicht weniger berührenden Lamento Della Ninfa und musikalischen Epitaphen von Adrian Willaert, Andrea Gabrieli, Cipriano de Rore und Jakob Arcadelt (1507–1568) erklingt auch Trauermusik englischer Komponisten wie John Coprario (ca. 1570–1626), Thomas Tomkins (1572–1656) und Thomas Vautor (bl. 1592–1619), die jene unter dem Einfluss der Venezianischen Schule und aus Anlass der in ganz England empfundenen Trauer über den Tod des siebzehnjährigen Prinzen Henry – des ältesten Sohnes von Jakob I. – im Jahr 1612 zu Papier brachten.


Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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