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I.J. Pleyel (1757 – 1831)
Die Fee Urgele
oder: Was den Damen gefällt

Marionettenoper in vier Akten (1776)

Das Märchen von der Fee Urgele geht aus Elementen früher Legenden und überlieferter Erzählungen hervor, wir begegnen ihrer Gestalt in alten irischen Erzählungen und in den Sagen von König Artus. Besonders eindrücklich erscheint sie in den Canterbury-Erzählungen von Geoffrey Chaucer (um 1387). In seiner Erzählung des Weibes von Bath hören wir vom Schicksal eines Ritters, der – um sein Leben zu retten – in Erfahrung bringen muss, was Damen am meisten gefällt. Bei diesem Auftrag steht ihm eine alte Frau zur Seite, die sich am Ende in ein wunderschönes Mädchen verwandelt. Dieselbe Geschichte taucht später in englischen und dänischen Erzählungen auf, und im 18. Jahrhundert vereint der französische Schriftsteller Voltaire verschiedene Versionen der Legende zu seinem Volksmärchen Ce qui plaît aux dames (Was den Damen gefällt). Bald darauf verfasst der französische Dichter Charles-Simon Favart ein Libretto mit dem Titel La Fée Urgèle, welches 1773 in Deutschland erscheint und von Karl Michael von Pauersbach für Ignaz Josef Pleyels »Die Fee Urgele« geringfügig überarbeitet wird. Von Pauersbach ist Direktor des Marionettentheaters auf Schloss Eszterháza in Westungarn, wo Pleyels Oper erstmals als Puppentheater aufgeführt wird.

In unserer Geschichte erscheint Urgele in Gestalt dreier verschiedener Charaktere: als Fee Urgele, als hübsches Blumen-mädchen Marton und als hässliche, alte Frau. Der tapfere und schöne Ritter Lisuart verliebt sich in Marton, die in Wirklichkeit die Fee und Prinzessin Urgele ist. Bevor sie sich ihm jedoch zu erkennen gibt und bereit ist, ihm ihr Herz zu schenken, stellt sie – in Gestalt einer hässlichen Alten – seine Liebe auf die Probe: Der Ritter muss vor dem Gericht der Liebe ein Rätsel lösen. Es gilt herauszufinden, was den Damen gefällt.

Ensemble in Residence

Singers in Residence
Elizabeth Dobbin – Sopran
Ida Aldrian – Alt Jan Petryka – Tenor
Jonathan de la Paz Zaens – Bass

Stephan von der Deken – Erzähler
Mark Tatlow – Leitung

Der britisch-schwedische Dirigent Mark Tatlow kann auf eine herausragende Karriere von nahezu dreißig Jahren musikalischen Schaffens zurückblicken. So arbeitete er an großen Opernhäusern als Dirigent, Korrepetitor und Cembalist, trat als Pianist und Begleiter auf internationalen Konzertbühnen auf und war als Forscher und Gelehrter tätig. Sein Engagement für junge Musiker durchzieht seine gesamte Laufbahn, was sich an seiner Lehrtätigkeit in England, an einer Professur am University College of Opera in Stockholm und an seiner Tätigkeit als musikalischer Berater an der Lilla Akademien, dem einzigen Musikgymnasium in Skandinavien, ablesen lässt. Mark war von 2007 bis 2013 künstlerischer Leiter des Drottningholms Slottsteater und hat nun eine Gastprofessur an der Stockholm University of Arts inne, in deren Rahmen er das Projekt »Performing Premodernity« leitet, ein fünfjähriges Forschungsprojekt, das sich der Frage widmet, wie sich das Wesen der Oper des ausgehenden 18. Jahrhunderts heute vermitteln lässt. Mark ist überdies seit ihrer Gründung im Jahr 1991 musikalischer Leiter der Wasa Marionette Opera.    www.marktatlow.com

Stephan von der Deken wurde 1973 in Frankfurt/Main geboren. Seine Ausbildung als Kunsttherapeut auf dem Gebiet Schauspiel erhielt er an der Fachhochschule Ottersberg. Sein erstes Engagement (Faust I und II unter der Regie von Peter Stein) führte ihn über Hannover und Berlin nach Wien, wo er seither wohnhaft ist. Es folgten zahlreiche Theater-engagements im deutschsprachigen Raum (u.a. Wozzeck in Paderborn und Kopenhagen im Teamtheater in München). Der vielseitige Künstler arbeitet seit einigen Jahren als Jugendbetreuer, Fotograf, Moderator, Sprecher und Regisseur. Zuletzt machte er die Co-Regie in Brechts Das Leben des Galilei mit SchülerInnen einer kooperativen Mittelschule im Rahmen der Wiener Festwochen. Als Moderator und Sprecher arbeitete er u.a. mit dem Jugendsinfonieorchester Dornbirn, der capella con durezza, dem Ensemble Prisma Wien und dem Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester zusammen. Im Rahmen der Jeunesse war er in den Produktionen Babar der kleine Elefant (unter Guntram Simma) und Ein Lipizzaner in Havanna (mit son dos) zu sehen. In der Produktion Es werde Licht war er als erzählender Erzengel Michael bei der Styriarte und im Wiener Konzerthaus zu erleben.