06 | MAKE ERASMUS WIDMANN GREAT AGAIN!

Andächtiges und Wundersames aus dem Leben eines Renaissancekomponisten

Sonntag, 8. September | 18 Uhr
Stiftskirche St. Georgen/Längsee

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STEFANIE WAGNER – Sopran
STEFAN SCHNEIDER – Tenor
CHARLOTTE SCHWENKE, FRANZISKA GÖRG, MATHILDE GOMAS – Viole da gamba
THOMAS BOYSEN – Renaissancelaute und Theorbe
FRIEDERIKE HEUMANN – Viola da gamba & Leitung

Das Leben des deutschen Organisten und Komponisten Erasmus Widmann (1572-1634) verlief alles andere als geradlinig, was mit Sicherheit auch den massiven religiösen und politischen Umbrüchen in der Zeit um 1600 sowie der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges geschuldet war. Geboren in Schwäbisch Hall, studierte er hernach in Tübingen und gelangte um 1595 als Organist ins steirische Eisenerz und bald darauf nach Graz, wo ihm allerdings kein langer Aufenthalt beschieden war. Bereits 1598 musste er die Steiermark wieder verlassen, denn die einsetzende Gegenreformation führte zur Vertreibung sämtlicher Protestanten.
Nachdem er in seinen Geburtsort zurückgekehrt war, nahm er eine Stelle als Kantor und Lehrer in der dortigen Lateinschule an, ab 1602 stand er als Hofkapellmeister und Organist in Diensten des Grafen Wolfgang von Hohenlohe-Langenburg in Weikersheim. Aus seiner Biografie wissen wir, dass er sich nur zu gerne und ausschließlich der Musik und dem Komponieren gewidmet hätte, die wirtschaftlichen Verhältnisse und die unzureichende Besoldung zwangen ihn jedoch dazu, stets – und bis an sein Lebensende – auch der Unterrichtstätigkeit nachzugehen.
Wenn auch nicht zu seiner Freude, so doch zu unserem Vorteil, denn aus seinen umfangreichen Aufzeichnungen und schriftlich geführten Auseinandersetzungen mit seinen Vorgesetzten erfahren wir viel Wissenswertes über die Ausbildung von Musikern. Überdies erhalten wir höchst aufschlussreiche Einblicke in die musikalische Aufführungspraxis in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wie beispielsweise die Verzierungspraxis in geistlicher Musik, die verschiedenen Möglichkeiten der Instrumentenzusammenstellung sowie die Besetzungs- und Dynamikangaben für das Zusammenspiel von Sängern und Instrumentalisten.
Um eine reibungslose und erfolgreiche Durchführung seiner zahlreichen und schwierigen Aufgaben zu gewährleisten, stellte Widmann eine Art Musikantenordnung auf, die »Leges musicorum«, in der neben einer restlosen Unterordnung unter den Willen des Kapellmeisters überdies regelmäßiger und pünktlicher Probenbesuch, fleißiges und selbständiges Üben der zugeteilten Stimmen, Enthaltung von übermäßigem Weingenuss und Vermeidung von Zänkereien eingefordert wurde.
Fast wie eine frühe Form der Datenschutz-Grundverordnung mutet sein strenges Verbot an, Kompositionen des Kapellmeisters an Fremde auszuhändigen, auch bestand er darauf, Unbefugten keinesfalls den Zutritt zum Instrumentenstüblein zu gewähren.
Widmanns beeindruckendes und umfangreiches kompositorisches Schaffen stand in enger Beziehung zu seiner praktischen Tätigkeit. Weit entfernt vom Status eines autonomen und freischaffenden Künstlers reagierte er zumeist auf die Ansprüche seiner Dienstgeber oder auf Erfordernisse seiner Lehrtätigkeit, blieb dabei stets kreativ und humorvoll (was in besonderer Weise in seinen selbst gedichteten Texten zum Ausdruck kommt) und hinterließ uns ein außerordentlich vielseitiges und abwechslungsreiches Œuvre.
Die Werke Widmanns aus dessen letzten Lebensjahren standen in besonderer Weise im Zeichen der kriegsbedingten Nöte, was exemplarisch im Titel seiner 1629 erschienenen Motettensammlung »Piorum suspira. Andechtige Seufftzen unnd Gebet / umb den lieben Frieden / und Abwendung aller Hauptplagen und Straffen …« zum Ausdruck kommt. Er stirbt am 31. Oktober 1634 an seinem letzten Wohn- und Dienstort Rothenburg ob der Tauber – wie kurz zuvor auch seine Frau und eine seiner Töchter – an der Pest.

 

ÜBER DIE KÜNSTLER

Aufgewachsen mit der vielseitigen LP-Sammlung ihres Vaters wurde die Gambistin Friederike Heumann früh auf die unterschiedlichsten Hörerfahrungen und Musikstile neugierig gemacht. Diese Neugier auf Unerhörtes, alt oder neu, und das gemeinsame Suchen nach einer der jeweiligen Musik angemessenen Sprache, wurden weiter beflügelt durch ein Studium an der Schola Cantorum in Basel und durch die MusikerInnen ihres Ensembles Stylus Phantasticus sowie durch Projekte mit neuer Musik, mit traditionell überlieferter und improvisierter Musik aus dem Mittelmehrraum. Die Qualitäten, die ihr selbst wichtig sind – Wachheit, Neugier, nicht aufhören wollen zu lernen – versucht sie nun ihren Studierenden an den Musikhochschulen in Würzburg und München weiterzugeben – und das Schönste: durch Musik ohne Worte zu kommunizieren und berührt zu werden.
www.friederikeheumann.com

Die Sopranistin Stefanie Wagner wurde in Augsburg geboren. Von Kindheit an spielte sie Gitarre und Klavier, überdies tanzte sie 18 Jahre an der Ballettakademie Payer in Augsburg. Im Oktober 2015 begann sie ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik in Würzburg bei Prof. M. Hummel, welches sie im heurigen Sommer mit dem Bachelor abschließen wird. Meisterkurse bei international bekannten Musikern, wie Prof. I. Hallstein, A. Scholl u.a., erweiterten ihre gesangliche Ausbildung. Im Rahmen der Opernschule in Würzburg sang sie bereits namhafte Rollen wie das Hannchen im Vetter aus Dingsda von E. Künneke oder die Rolle der Angelique in der gleichnamigen Oper von J. Ibert. 2018 war sie Stipendiatin des Richard Wagner Verbandes. Zusätzlich erhielt sie im vergangenen Oktober das Deutschlandstipendium.

Spezialisiert auf die Viola da gamba ist Charlotte Schwenke eine vielseitige Musikerin, die zunächst Lehramt Musik an der Hochschule für Musik Würzburg mit den Schwerpunkten Klavier und Chorleitung studierte. Die Begegnung mit dem wundervollen Instrument Viola da gamba führte zusammen mit ihrer langjährigen Faszination für die Alte Musik zu einem künstlerischen Bachelorstudium und Meisterkursen bei F. Heumann. Meisterkurse und Unterricht bei A. Scholl, E. Kirkby, F. Bernius, P. Nobes und E. Mascardi vertieften darüber hinaus ihr musikalisches Verständnis sowie ihre Kenntnis der historischen Aufführungspraxis. Aktuell studiert Charlotte in der Klasse von P. Pandolfo an der Schola Cantorum Basiliensis.

Mathilde Gomas wurde in Paris in eine Familie von Musikliebhabern geboren. Als Kind lernte sie Gitarre bis zu Ihrem Abschluss am Conservatoire Régional de Paris 2010. Bereits mit 17 Jahren fand sie über die Laute und andere Zupfinstrumente den Weg zur Alten Musik und begann u.a. bei J.L. Charbonnier in Paris und E. Guigues in Versailles Gambe zu lernen. Zeitgleich absolvierte sie ein Studium in Musik und Musikwissenschaften an der Université de la Sorbonne. Von 2014 bis 2019 studierte sie bei P. Pandolfo an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel, wo sie überdies bei vielen bedeutenden Musikern wie H. Smith, L.G. Alarcon, P. Memelsdorff, A. Marcon, E. Tubb, R. Cook u.a. eine umfassende Ausbildung im Bereich der Alten Musik erhalten hat. Seit 2015 tritt Mathilde in der Schweiz, Deutschland, Italien, Frankreich, Rumänien, Griechenland und den Niederlanden als Solistin und als Mitglied verschiedener neuer und aufstrebender Ensembles auf.

Franziska Görg begann bereits in jungen Jahren ihre musikalische Ausbildung mit dem Klavier- und Violoncellospiel. Von 2008 bis 2013 studierte sie Schulmusik mit Hauptfach Klavier bei Prof. M. Bellheim an der Hochschule für Musik Würzburg. Ihre besondere Liebe zur Alten Musik führte Franziska zu F. Heumann, bei der sie das Studium der Viola da gamba absolvierte und im Sommer 2016 mit dem Bachelor of Music abschloss. Franziska lebt in Würzburg und musiziert in unterschiedlichen Alte-Musik-Ensembles, u.a. Hortulus Conclusus, Le Nymphe die Meno und Svapinga Consort.

Der Tenor Stefan Schneider stammt aus Oettingen in Bayern. Er besuchte die Berufsfachschule für Musik in Krumbach, Hauptfach Trompete, und erhielt dort ersten Gesangsunterricht. 2012 schloss er mit Auszeichnung ab und begann an der Hochschule für Musik Würzburg das Studium der Schulmusik, welches er inzwischen ebenfalls abgeschlossen hat. 2014 nahm er zusätzlich ein Gesangsstudium bei Prof. M. Hummel auf. Neben seiner regen Konzerttätigkeit konnte man ihn schon in einigen Opernprojekten der Würzburger Hochschule erleben. Dazu gehörte auch die Titelrolle in Claudio Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria. Wichtige Impulse für sein Studium erhielt er in Kursen bei Dame Emma Kirkby und Andreas Scholl. Stefan ist Stipendiat des Richard-Wagner-Verbandes Unterfranken.

Thomas C. Boysen stammt aus Norwegen und wuchs dort in einer Musikerfamilie auf. Er beendete 1995 sein Lautenstudium an der Hochschule für Musik in Oslo und absolvierte danach erfolgreich sein Künstlerisches Aufbaustudium bei Prof. R. Lislevand am Institut für Alte Musik in Trossingen. Seit seinem Abschluss konzertiert Thomas mit einflussreichen Musikern und Ensembles der europäischen Szene Alter Musik wie E. Kirkby, P. Pandolfo, R. Lislevand, R. Jacobs, dem Balthasar-Neumann-Ensemble, Le Poeme Harmonique, Collegium Vocale Gent, Akademie für Alte Musik Berlin und Freiburger Barockorchester. Thomas hat in den meisten Europäischen Ländern sowie den USA, in Mexiko, Hongkong, Südkorea, Kolumbien und Kuba konzertiert und an mehr als 60 CD-Aufnahmen mitgewirkt. Neben seiner Tätigkeit als Musiker unterrichtet er Laute und Generalbass an der Musikhochschule in Würzburg.

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