03 – Fede e Amor

Musik am Kaiserhof des barocken Wien

Donnerstag, 6. September | 19 Uhr
Rathaus St. Veit/Glan

Alex Potter – Countertenor

Aurelius Goliński – Leitung & Violine

Ensemble in Residence 2018
Mónika Tóth – Violine
Lucas Schurig – Viola
Anna Tausch – Cello
Olga Watts – Cembalo
Igor Davidovics – Theorbe
Barbara Fischer – Violone

Carles Cristobal – Fagott
Catherine Motuz – Posaune

 

Etwa zwischen 1640 und 1740, jenem Jahrhundert, in dem die Kaiser Ferdinand III., Leopold I., Joseph I. und Karl VI. aus dem Hause Habsburg regierten, gelangte das musikalische Leben in Wien zu einer nie dagewesenen Blüte. Nicht nur die Oper, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Italien entstanden war, wurde in dieser Zeit ausgesprochen populär, auch geistliche Musik erfreute sich großer Beliebtheit und erklang regelmäßig in der Kaiserlichen Hofburgkapelle und in den bedeutendsten Kirchen der Stadt. Überdies waren Ferdinand, Leopold und Joseph selbst talentierte Komponisten. Auch Karl komponierte vermutlich, doch sind uns von ihm keine Werke überliefert.

Zuweilen standen weit mehr als einhundert Instrumentalisten und Sänger in Diensten des Hofes, und um die Qualität – bei gleichzeitiger Senkung der Kosten – abermals zu steigern, entließ Karl VI. kurz nach seiner Thronbesteigung 1711 die gesamte Hofmusikkapelle und beauftragte den Vizekapellmeister Marc Antonio Ziani, den Hofkomponisten Johann Joseph Fux und den Konzertmeister Kilian Reinhard mit der Einschätzung des Könnens der Musiker, um hernach die besten unter ihnen wieder einzustellen. 1712 bestand die so rekonstituierte Hofkapelle aus 86 Musikern, sollte jedoch bis 1715 wieder auf über 100 und bis 1723 gar auf 134 Musiker anwachsen.

Eine Besonderheit der Wiener Kirchenmusik dieser Zeit war der großzügige Einsatz der Posaune, welche im späten 17. Jahrhundert außerhalb Österreichs kaum noch gebräuchlich war. Gelegentlich wurden Posaunen und andere Instrumente wie Violine, Violoncello, Trompete, Fagott und Chalumeau im Rahmen von Messen und anderen liturgischen Werken mit Soloaufgaben betraut, doch auch in kleineren geistlichen Werken wurden ein oder mehrere Instrumente, darunter die Posaune, solistisch eingesetzt.

Natürlich wäre keines dieser Posaunensolos entstanden, hätte es nicht fähige Instrumentalisten gegeben, die sie spielen konnten. Schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts gab es einen Posaunisten in Diensten der Kaiserlichen Hofkapelle, Johann Friedrich Helwig, der sein Instrument so virtuos zu spielen verstand, dass Kaiser Leopold I. ihm eine aus Silber gefertigte Posaune geschenkt haben soll. In den drei Jahren vor seinem Tod lehrte er seine Kunst einem Schüler, Leopold Christian, „eines Organisten Sohne von Mölk“, dessen Familie die Posaunisten der Hofkapelle fast ein Jahrhundert lang dominieren sollte. So schrieb Antonio Draghi 1685 über Leopold d. Ä., er „sey in seiner profession ein so guther Virtuoso, alß sonsten niemand Zu finden seyn mögte“, und Johann Joseph Fux beschrieb ihn 1715 als einen, „welcher in seinem instrument seinesgleichen nit hat, und daher die schwäresten executionen Ihn alein treffen“. Nach der Neubildung der Hofkapelle in den Jahren 1711/12 wurden die Posaunisten ausschließlich aus Mitgliedern der Familie Christian gestellt.

Johann Joseph Fux (ca. 1660–1741) diente dem Wiener Hof über vier Jahrzehnte lang als Komponist und Kapellmeister. Es gibt Hinweise darauf, dass Fux bereits 1693 für den Kaiserlichen Hof tätig war, doch wurde er erst 1698 offiziell zum Hofkomponisten berufen, avancierte 1711/12 zum Vizekapellmeister und wurde, in der Nachfolge Zianis, 1715 Kapellmeister.

Einer der produktivsten Komponisten seiner Zeit, Antonio Caldara (1670–1736) stammte aus Venedig, wo er vermutlich bei Giovanni Legrenzi studierte. Nachdem er im Ensemble des Markusdomes in Venedig Violoncello gespielt und in Mantua als Kapellmeister gedient hatte, ging er 1708 nach Rom. Nach Karls Thronbesteigung (als Kaiser Karl VI.) 1711 erhoffte sich Caldara seine Berufung an den Wiener Hof. Doch wurden seine Erwartungen zunächst enttäuscht: Erst nach Zianis Tod 1715 erhielt Caldara die begehrte Stellung des Vizekapellmeisters.

Francesco Bartolomeo Conti wurde um 1681 in Florenz geboren. Noch vor Ende des Jahrhunderts wurde er als Theorbist berühmt, was ihm 1701 eine Stellung in der Wiener Hofmusikkapelle verschaffte. 1713 wurde er außerdem zum Hofkomponisten ernannt und bekleidete beide Stellungen bis 1726, als gesundheitliche Probleme ihn zwangen, die Theorbe aufzugeben. Er starb im Juli 1732 in Wien.

Ignazio Maria Conti (1699–1759) war, ebenso wie sein Vater Francesco Bartolomeo Conti, Theorbist. 1719 wurde er Hofscholar, sollte jedoch nie über diese mager bezahlte Schülerstellung hinauswachsen. Er begann erst zu komponieren, als sein Vater infolge Krankheit seine Aktivitäten einschränken musste. Seine Werke hatten durchaus einigen Erfolg, sogar außerhalb Wiens. Nachdem ihm die Stelle als Hofkomponist versagt blieb, gab er aus Verbitterung darüber 1739 das Komponieren auf.

Die kanadische Posaunistin Catherine Motuz steht zwar in keinerlei Verwandtschaftsverhältnis zur ehemals am Hofe der Habsburger so geschätzten Musikerfamilie Christian, dennoch erfüllt es uns mit großer Freude, dass wir sie als mit Sicherheit bestens geeignete Interpretin für dieses Konzert gewinnen konnten. Ebenso freuen wir uns über den Countertenor Alex Potter, von dem übrigens die Idee zu diesem Programm stammt und der uns gemeinsam mit Catherine und unserem diesjährigen Ensemble in Residence zumindest für die Dauer des Konzertes in das Wien um 1700 entführen wird. Die musikalische Leitung liegt dabei in den bewährten Händen des polnischen Violinvirtuosen Arek Goliński.


Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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