My Heart is inditing

Purcell at his best

Tenebrae
Ensemble in Residence
Rossella Croce – Konzertmeisterin
Guido Morini – Orgel & Leitung

James II., geboren 1633 als Sohn von King Charles I., blieb glücklicherweise das Schicksal seines Vaters erspart – dieser verlor seinen Kopf im Jänner 1649, womit der Englische Bürgerkrieg bekanntlich sein Ende fand. An seinem Königtum sollte er sich allerdings nur recht kurz erfreuen, denn schon dreieinhalb Jahre nach seiner Krönung zum König von England, Schottland und Irland wurde er als Folge seiner prokatholischen und absolutistischen Politik durch die sogenannte Glorious Revolution abgesetzt und verließ im Dezember 1688 seine Heimat in Richtung Frankreich, wo er auf Schloss Saint-Germain-en-Laye, der ehemaligen Hauptresidenz des Sonnenkönigs Ludwig XIV., dreizehn Jahre später einem Schlaganfall erlag. Dennoch verdanken wir James, der letzter katholischer Monarch der anglikanischen und presbyterianischen Königreiche England und Schottland bleiben sollte, jenes musikalische Meisterwerk, welches zu Beginn unseres diesjährigen Abschlusskonzertes steht: Henry Purcells My heart is inditing of a good matter, entstanden als Auftragswerk für die Krönung von James und seiner zweiten Ehefrau Maria Beatrice d’Este (1658-1718) am 23. April 1685 in der Westminster Abbey. Als Textvorlage für diese Krönungshymne diente dem damals erst 26-jährigen Komponisten Psalm 45: ein hehres Hochzeitsgedicht, das wohl kaum als ein irdisches Brautlied verstanden werden sollte, sondern vielmehr auf die Verbindung des himmlischen Bräutigams mit seiner auserkorenen Braut hindeuten dürfte. Henry Purcell (1659-1695), bedeutendster englischer Komponist des Barock, hinterließ uns trotz seines kurzen Lebens ein umfangreiches und singuläres Werk, das von großartiger Erfindungskraft, kühner Harmonik und unübertroffener kontrapunktischer Kunst gekennzeichnet ist. In seinem Schaffen finden sich auch zahlreiche Stücke höfischer Fest- und Prunkmusik, was zweifelsohne dem Umstand geschuldet ist, dass Purcell schon im zarten Alter von zehn Jahren als Chorknabe in die Chapel Royal eintrat und dieser – wie auch dem Hofe – Zeit seines Lebens verbunden blieb. Purcells Popularität erreichte schon zu Lebzeiten solche Ausmaße, dass er nach seinem frühen Tod neben der Orgel in der Westminster Abbey seine letzte Ruhestätte fand und zu seinem Begräbnis Teile der Music for the Funeral of Queen Mary erklangen, die er nur knapp ein Jahr zuvor für die Trauerfeierlichkeiten aus Anlass des Todes der Königin Mary II. komponierte. Einen weiteren Beweis für die ihm entgegengebrachte Bewunderung und Wertschätzung liefert uns die Inschrift, die den Grabstein dieses Orpheus Britannicus ziert: Here lyes Henry Purcell, who left this life and is gone to that blessed place where only his harmony can be exceeded. Neben My heart is inditing findet sich im Programm dieses prächtig besetzten Konzertes auch Purcells spätes Meisterwerk Te deum and Jubilate, entstanden für das alljährliche Fest zum Cäcilientag und erstmals am 22. November 1694 in der Kirche St. Bride’s Fleet Street zur Aufführung gebracht. Überdies erklingen seine Vokalwerke Remember not Lord our offences, Jehova quam multi sunt und Hear my prayer O Lord.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

KAPITEL-DOWNLOAD KARTEN BUCHEN