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KARTEN BUCHEN

Der argwöhnische Blick auf das Nachbarland, das Zweifeln an der Wohlgesonnenheit des Ausländers, das konsequente Festhalten an nationalen Eigenheiten und der unerschütterliche Glaube an die – wohlgemerkt: eigene – Religion prägen seit Jahrhunderten den Umgang der Völker und Nationen miteinander. Doch wovon nähren sich jene hartnäckigen Vorbehalte, die damals wie heute einer Koexistenz entgegenstehen, welche ebenso von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen geprägt sein könnte? Gut möglich, dass der Ursprung jener Ressentiments in der Unkenntnis und mangelnden Bereitschaft zum Kennenlernen kaum vertrauter Kulturen zu finden war und ist …

Nichtsdestotrotz und glücklicherweise gab es zu jeder Zeit auch Menschen, die – ungeachtet ihrer unterschiedlichen Herkunft und Zungen – die unbedingte Notwendigkeit des Zusammenhaltes erkannten und mit gutem Beispiel vorangingen, indem sie einander mit Neugier, Respekt und Liebe begegneten. Und stets waren es auch die Musiker, die eine herausragende Rolle spielten, wenn es darum ging, mit ihrer musikalischen Universalsprache Menschen aller Länder friedlich zusammenzuführen und zu verbinden.

Dem 1681 in Magdeburg geborenen Georg Philipp Telemann gelang dies wie kaum einem anderen Vertreter seines Berufszweiges, was ihn schließlich auch zu einem der bedeutendsten Komponisten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts machen sollte. In seiner Ouverture Les Nations, in der auf ironische, charmante und gekonnte Weise alle möglichen Nationen gewissermaßen durch den Kakao gezogen werden, gibt er eindrucksvoll Zeugnis von seiner menschenfreundlichen und durchwegs europäischen Gesinnung, die sich auch in seiner herrlichen Oper Orpheus und Eurydike widerspiegelt. Darin wechselt er nicht nur immer wieder zwischen den europäischen musikalischen Stilen, er bedient sich innerhalb dieses Werkes auch verschiedener Sprachen. Geht es ihm um das Vorantreiben der Handlung, so geschieht dies auf Deutsch, verfallen die Protagonisten in unsagbaren Schmerz, singen sie Französisch, geraten selbige emotional unter Druck, wird das Italienische zu ihrer Sprache. Was für ein genialer Kunstgriff!

Doch nicht nur der Musik G.P. Telemanns ist dieser Abend gewidmet. Im diesjährigen Eröffnungskonzert, mit dem wir gleichsam ein Lied auf Liebe, Menschlichkeit und Versöhnung singen und die europäische Idee und Flagge hochhalten wollen, erklingen überdies Werke von Antonio Vivaldi, Alessandro Stradella, Giovanni Benedetto Platti und Georg Friedrich Händel.

Silvia Frigato – Sopran

Ensemble in Residence 2016 –
Miszla Baroque Orchestra (MBO)
Helga Schmidtmayer, Yun Kim,
Koppàny Hunyadi, Attila Deés, Monika Toth,
Valeria Caponnetto, Danuta Zawada – Violine
Stefano Marcocchi, Clelia Gozzo,
Matt Antal – Viola
Alessandro Palmeri, Péter Jànoshàzi – Cello
Barbara Fischer – Kontrabass
Soma Dinyés – Cembalo, Orgel
Michele Pasotti – Theorbe
Elisabeth Baumer, Rei Ishizaka – Oboe
Giulia Genini – Fagott
Georg Kallweit – Violine und Leitung

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2016 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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