12 – Flauto ultimo – Vox humana

Die 1000-jährige Geschichte der Blockflöte in 90 Minuten

Freitag, 14. September | 18 Uhr
Rathaus St. Veit/Glan

Miloš Valent – Violine, Viola & Leitung
Jan Rokyta – Flöten

Ensemble in Residence 2018
Mónika Tóth, Maria Roca Gas – Violine
Ottavia Rausa – Violine & Viola
Lucas Schurig – Viola
Daniel Rosin – Cello
Olga Watts – Cembalo & Orgel
Igor Davidovics – Theorbe
Barbara Fischer – Violone
Carles Cristobal – Fagott
Loredana Gintoli – Harfe

 

Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, wann unsere Vorfahren das Singen und Musizieren für sich entdeckt haben? Vor Tausenden, vor Zehntausenden, Hunderttausenden, oder gar vor Millionen von Jahren? Diesen Meilenstein in der Kulturgeschichte präzise zu datieren, dürfte wohl aus zahlreichen Gründen unmöglich sein. Die moderne Wissenschaft geht aber inzwischen davon aus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Aufkommen des Homo erectus, also dem aufrecht gehenden Menschen, der kontrollierten Nutzbarmachung des Feuers vor rund 1,5 Millionen Jahren und der Entwicklung der Musik geben könnte. Wie das?

Hier die etwas skurril und zugegebenermaßen recht trocken anmutende Erklärung: Durch die Aufrichtung des Menschen sank der Kehlkopf nach unten, zugleich führte der Einsatz des Feuers in der Nahrungszubereitung dazu, dass sich die Kaumuskulatur – weil nicht mehr in diesem Maße benötigt – zurückbildete. Daraus resultierte wiederum eine relative Vergrößerung der Mundhöhle, womit die anatomischen Möglichkeiten geschaffen waren, ein bedeutend größeres Spektrum an Lauten zu erzeugen. So weit, so gut. Der Anfang war gemacht.

Wie lange es dann noch dauern sollte, bis die Menschen neben Werkzeugen auch Musikinstrumente anfertigten, wissen wir ebenfalls nicht genau, jedoch können wir davon ausgehen, dass es rassel- und trommelartige Konstruktionen sowie rohrförmige Gegenstände waren, denen sie zuallererst Töne zu entlocken versuchten. Und die Tatsache, dass eine im Jahr 1995 im nur 120 km von St. Veit entfernten slowenischen Cerkno entdeckte und beinahe 50.000 Jahre alte Knochenflöte – gefertigt aus einem Bärenknochen – als ältestes jemals gefundenes Musikinstrument gilt, kann durchaus als weiterer Beleg für diese These gewertet werden.

Die seit jeher so große Beliebtheit der Flöte hat einerseits sicher mit ihrer Einfachheit zu tun – sie ist klein und handlich und lässt sich aus allerlei Materialien herstellen, auch kann man sie überallhin mitnehmen. Ein weiterer Grund liegt wohl in ihrer engen Verwandtschaft zur menschlichen Stimme, denn wie beim Singen bedarf es beim Spiel der Flöte des Atems.

Nach Europa kam sie als Instrument der Hirten, im Verlauf des Mittelalters verbreitete sie sich unter den Spielleuten, Stadtpfeifern und Gauklern und war so bald nicht mehr aus dem öffentlichen Leben wegzudenken. Bereits im 14. Jahrhundert gehörte die Blockflöte zu den populärsten Holzblasinstrumenten und war besonders in der Zeit der Renaissance einer rasanten Entwicklung unterworfen. Keine andere Instrumentengattung brachte es auf eine vergleichbare Typenvielfalt und wurde in so vielen unterschiedlichen Größen, Stimmlagen und Bauformen hergestellt. Ihre goldene Ära sollte die Blockflöte aber im Barock (ca. 1600–1750) erleben, denn in dieser Zeit entwickelte sie sich zum Modeinstrument schlechthin und genoss an Königshöfen wie auch in Fürstenschlössern und Bürgerhäusern höchstes Ansehen.

Bald danach verschwand sie allerdings beinahe vollkommen aus dem musikalischen Leben, an ihre Stelle trat die Travers- bzw. Querflöte, die sich in den immer größer werdenden Orchestern klanglich eher durchzusetzen vermochte. Der Dornröschenschlaf sollte rund 150 Jahre währen, ehe sie um das Jahr 1920 von den beiden Instrumentenbauern Arnold Dolmetsch (Frankreich) und Peter Harlan (Deutschland) gleichsam wachgeküsst wurde und selbst so namhafte Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Paul Hindemith, Benjamin Britten und Leonard Bernstein Werke für die Blockflöte schufen. Diese Entwicklung sollte das Instrument aber nicht vor einem weiteren Karriereknick bewahren: Bedingt durch die weit verbreitete Verwendung der Blockflöte in der musikalischen Früherziehung geriet sie zu Unrecht in den Ruf, ein Anfängerinstrument zu sein.

Der Alte-Musik-Boom der letzten Jahrzehnte, aber auch ihr Einsatz in der zeitgenössischen und experimentellen Musik, hat letztlich wesentlich dazu beigetragen, der Blockflöte jenen Stellenwert zurückzugeben, den sie sich im Laufe von Jahrhunderten redlich verdient hat. Denn ernsthaft und professionell gespielt, ist diese ein außerordentlich dynamisches und flexibles Instrument mit mannigfaltigen Ausdrucksmöglichkeiten.

All jenen, die in nur 90 Minuten die tausendjährige Geschichte der Blockflöte hautnah und packend miterleben wollen, sei dringend geraten, sich rechtzeitig Tickets für diese musikalische Zeitreise zu sichern. Mit Jan Rokyta steht uns ein Reiseleiter zur Verfügung, der in allen Genres der Musik gleichermaßen zuhause ist und es darüber hinaus versteht, das traditionsreiche Holzblasinstrument in seinen verschiedensten Varianten und Bauformen virtuos zu spielen. Ob in temperamentvollen Tänzen der Renaissance, in zeitlosen Werken Carlo Gesualdos, in atemberaubenden Stücken Antonio Vivaldis und Georg Friedrich Händels oder aber in seinen Eigenkompositionen, denen seine Verbundenheit mit der tschechischen und slowakischen Volksmusik durchaus anzuhören ist. Der aus der Türkei stammende Perkussionist Baykal Dogan ist für den Rhythmus zuständig, und unser diesjähriges Ensemble in Residence ist ebenso mit von der Partie wie einer der wohl charismatischsten Musiker, die wir je auf einer der trigonale-Bühnen begrüßen durften: der slowakische Violinvirtuose Miloš Valent.


Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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