08 – Gioco della Cieca

Amor, nein, du bist nicht blind …

Samstag, 8. September | 20.30 Uhr
Klosterkirche St. Veit/Glan

Concerto di Margherita
Giovanna Baviera – Gesang & Viola da gamba
Francesca Benetti – Gesang, Laute, Theorbe & Barockgitarre
Tanja Vogrin – Gesang und Barockharfe
Ricardo Leitão Pedro – Gesang, Laute, Theorbe & Barockgitarre
Rui Stähelin – Gesang, Laute, Theorbe & Barockgitarre

 

„Amor, nein, du bist nicht blind, aber wer sich deinen Händen anvertraut, den kannst du blenden und bist treulos mehr als blind.“

Mit diesen Worten kommentiert der Chor in Battista Guarinis Schäferspiel Il pastor fido (Der treue Schäfer) die leidenschaftliche, jedoch gleichzeitig leiderfüllte Geschichte zweier Liebender. Im dritten Akt des Stücks, dessen Schauplatz inmitten der idyllischen Hirtenwelt Arkadiens liegt, spielen zwei Liebende Blindekuh (Gioco della Cieca, wie das Spiel in Italien genannt wird). Amarilli, deren Augen verbunden sind, landet unbeabsichtigterweise in den Armen Mirtillos, der sie innigst begehrt. Doch davon weiß weder Amarilli noch die übrige Gesellschaft. Während die beiden suchend umherirren – Amarilli ihrer Augenbinde wegen, Mirtillo in größtem Liebesschmerz – beklagt der Chor die tückische und verräterische Natur blinder Liebe.

Das Wechselspiel zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, das sich zwischen den Liebenden ereignet, steht im Zentrum dieses Programmes. Das Sichtbare erweist sich für den Liebenden einerseits als Quell der Freude, andererseits als Ursprung der Verzweiflung. Ist seine Geliebte unerreichbar, so ist all sein Streben darauf gerichtet, sie zu erblicken; denn lediglich über das Sehen kann er seine Geliebte begehren. Ferner braucht die Liebe – wie es sich wahrlich meist zuträgt – nicht erwidert zu werden, um für den in Liebe Entbrannten eine bittersüße Empfindung, zugleich schmerzlich und schön, zu sein. Ja mehr noch: Das liebende Betrachten kann gänzlich vom Objekt der Begierde losgelöst sein, kann der Liebende, gefangen in seinem schwärmerischen Verlangen, doch alles, wonach er sich sehnt, in den Augen seiner Geliebten zu erkennen meinen.

Das Ensemble Concerto di Margherita erzählt uns die Geschichte eines archetypischen Liebenden, der – wie Amarilli in Guarinis Werk – in einem grausamen Blindekuh-Spiel gefangen zu sein scheint. Als Quelle der Inspiration dienen dabei die Vokal- und Instrumentalwerke des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts von Komponisten wie Giaches de Wert (1535–1596), Giulio Caccini (1551–1618), Johann Hieronymus Kapsberger (1580–1651), Girolamo Frescobaldi (1583–1643) und Sigismondo d’India (1582–1629).

Die Musikerinnen und Musiker, die übrigens alle singen und sich dabei selbst auf ihren Instrumenten begleiten, spielen in diesem Konzert mit den Aspekten des Sehens und der Sichtbarkeit und entführen uns in die Welt des Liebenden, der, unschuldig geboren in Arkadien, geblendet und getäuscht von der Liebe, verloren und orientierungslos in der Dunkelheit umherirrt und schließlich im Vergessen Trost findet.


Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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