07 | VOX DILECTI MEI

Giovanni Rosenmiller e i suoi colleghi

Mittwoch, 11. September | 19 Uhr
Stiftskirche St. Georgen/Längsee

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ALEX POTTER – Countertenor
JESENKA BALIC ZUNIC – Violine
ALISON LUTHMERS – Violine
JUDITH-MARIA BLOMSTERBERG – Cello
MARCUS MOHLIN – Cembalo & Orgel

Im Zuge des musikalischen Umbruches rund um das Jahr 1600 begannen sich Komponisten bei der Vertonung religiöser Texte einer völlig neuen, ausdrucksstarken Tonsprache zu bedienen, die wir heute gemeinhin als barock bezeichnen. Johann Rosenmüllers virtuose Solomotette Vox dilecti mei verkörpert diesen Zugang zur geistlichen Musik in geradezu beispielhafter Form. Zum einen verstand man das Werk als Ausdruck der Beziehung der Gläubigen zu Gott. Zugleich jedoch schöpft es aus der vollen Sinnlichkeit des Hoheliedes und verwendet tonmalerische Sinnbilder sowie andere Ausdrucksmittel der Oper und der weltlichen Monodie. Der Einsatz dieser Techniken erlaubte es den Komponisten, durch die Schönheit der Musik auch den Text und seine Bedeutung zu erhöhen. Dieser Grundgedanke zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Programm.
Johann Rosenmüller (1619-1684) zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten deutschen Komponisten nach Heinrich Schütz und vor Johann Sebastian Bach und hatte schon zu Lebzeiten großen Einfluss auf die musikalische Entwicklung in Deutschland. All das, obwohl er den überwiegenden Teil seiner Schaffensperiode gar nicht in seiner Heimat verbrachte.
Ab 1658 lebte und wirkte er für nahezu 25 Jahre in Venedig – etwa als Posaunist am Markusdom oder als Musiklehrer am Ospedale della Pietà – und avancierte in den langen Jahren seines Aufenthaltes in der Lagunenrepublik zum profunden Kenner des in ganz Europa so beliebten venezianischen Stiles. Rosenmüller gelang es, diesen auf ideale Weise mit der sächsischen Kantorentradition zu verbinden, worin wohl sein größter Verdienst besteht. Ob allerdings seine venezianischen Musikerkollegen überhaupt Notiz von ihm nahmen oder von seinem vormaligen Ruhm wussten, bleibt ungewiss. Sicher ist hingegen, dass er mächtige Fürsprecher gehabt haben muss, um als Fremder in der streng reglementierten Musikerzunft der Stadt überhaupt Fuß fassen zu können. Denkbar ist auch, dass er sich als Händler von in deutschen Landen nur schwer zu beschaffenden Musikalien etablieren und seinen Lebensunterhalt auf diese Weise bestreiten konnte, denn der Bedarf an italienischer Musik war an den deutschen Höfen zu jener Zeit ebenso groß wie die Schwierigkeiten, an qualitätsvolle Werke heranzukommen. Die regelmäßigen Besuche deutscher Fürsten und Emissäre dürften ihm dazu jedenfalls mannigfaltige Gelegenheiten geboten haben.
Möglicherweise fand Rosenmüller hier eine lukrative Marktlücke, die ihm zugleich erlaubte, auch selbst wieder schöpferisch tätig zu sein.
Die Möglichkeit, nach Deutschland zurückzukehren, bot sich erst 1682, als Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel den alternden Komponisten als Kapellmeister an seinen Hof berief, wo Rosenmüller jedoch nur zwei Jahre später 65-jährig verstarb. Neben ausgewählten Werken des nicht ganz freiwillig zum Wahlitaliener gewordenen Johann Rosenmüller – er nannte sich übrigens auch Giovanni Rosenmiller – hören wir an diesem Abend auch Musik seiner italienischen Zeitgenossen Barbara Strozzi (1619-1677), Tarquinio Merula (1595-1665), Giovanni Legrenzi (1626-1690), Alessandro Grandi (1577-1630) und Giovanni Rovetta (1596-1668).
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ÜBER DIE KÜNSTLER

Während ihres Studiums in der Solistenklasse am Conservatoire de Paris entwickelte die Barockgeigerin Jesenka Balic Zunic ein großes Interesse für die französische Barockmusik und war von 2010 bis 2013 Konzertmeisterin des Ensembles La Simphonie du Marais. Jesenka findet es faszinierend, verschiedene Klanguniversen zu erforschen und spielt deswegen regelmäßig verschiedene Instrumente wie die Barockvioline und -viola, die Viola d´amore und das Violoncello da spalla. Sie tritt mit vielen Ensembles wie Concerto Copenhagen, dem Norwegian Baroque Orchestra, Enghave Barok, dem Orkiestra Kore aus Warschau u.a. in ganz Europa auf. Eine rege Konzerttätigkeit verbindet sie auch mit den Kammermusik-Ensembles Ensemble Cheron, Ensemble Veracini, Lumiere du Nord, Suono und Musica Bellaria. Jesenka wurde 1982 in Kroatien geboren und lebt in Kopenhagen/Dänemark.

Nach Abschluss meines Studiums für moderne Geige an der Colburn School in Los Angeles zog ich, Alison Luthmers, 2012 nach Schweden und fing an, meiner wahren Liebe zu frönen: die Barockvioline, welche ich seit meinem 15. Lebensjahr studiert hatte. Seit meinem Umzug nach Europa konzertiere und toure ich nun mit Ensembles wie Concerto Copenhagen, Camerata Øresund, Barokksolistene u.a. und liebe es ganz besonders, mit den wunderbaren Musikerinnen und Musikern dieser Ensembles in kammermusikalischer Besetzung zu arbeiten und aufzutreten. Durch ein Stipendium des Canada Arts Council konnte ich zwei Jahre lang die Zusammenhänge zwischen skandinavischer Volksmusik, Alter Musik und Tanz erforschen. All meine musikalischen Interessen vereinen sich in meinem Projekt BookJam, einer Reihe unkonventioneller Kammermusikkonzerte in einem Buchladen in Malmö, wo ich auch mit meinem Mann und meiner Tochter lebe.

Mein Name ist Judith-Maria Blomsterberg. Ich bin 1975 in Münster/Deutschland geboren und begann mit dem Cellospielen im Alter von sieben Jahren. Bis 2001 spielte ich an der Hamburgischen Staatsoper, entschied mich jedoch dann, in Den Haag/Holland bei Jaap ter Linden Barockcello zu studieren. Meine Begeisterung für kammermusikalisches Musizieren und die Oper kann ich nun mit Concerto Copenhagen, Barokksolistene, Scania Consort und vielen anderen Ensembles ausleben. Mich fasziniert ganz besonders die nonverbale Kommunikation mit den Mitmusikern wie auch mit dem Publikum und ich empfinde es als größtes Glücksgefühl, im Konzert die Musik gemeinsam zu erleben. Mit meiner Familie verbringe ich viel Zeit in der Natur und habe seit ein paar Jahren das Segeln von Jollen für mich entdeckt.

Alex Potter, Countertenor: Als ich noch ein kleines Kind war, pflegte meine Mutter stets für mich zu singen, was mich dazu veranlasste, es ihr gleich zu tun. Schon damals schien mir ihre Stimme untrennbar mit Emotionen verbunden zu sein, was sich auch bis heute nicht geändert hat. In meiner Zeit als Chorknabe verknüpfte sich diese emotionale Basis mit einer ausgeprägten Faszination für Text und Symbolik in der Musik, die im Zuge meiner Studien in Oxford und Basel noch eine Erweiterung und Vertiefung erfuhr. Diesen Wurzeln über beinahe zwanzig Jahre meiner Karriere treu geblieben und bereichert durch das Schöne und Traurige, das mir das Leben beschert, höre ich nicht auf, mich als Sänger, Musiker und Mensch weiterzuentwickeln. Heutzutage hört man mich zumeist als Bachinterpret, doch natürlich liebe ich es ebenso, die Musik anderer Komponisten zu singen. Wenn ich gerade nicht auf der Bühne stehe, trifft man mich am ehesten zu Hause bei meiner Familie an, beim Lesen von »something geeky«, Zeit im Internet verplempern oder kochen. Das Teilen und den Austausch mit anderen Menschen – sei es Musik, Essen oder Erfahrungen und Ansichten – empfinde ich als eine der größten Freuden im Leben.
www.alexpotter.info

Mein Name ist Marcus Mohlin und ich bin als freischaffender Musiker (Cembalo & Violine) in Stockholm tätig. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit Barockmusik und schwedischer Volksmusik, unternehme aber auch regelmäßig Ausflüge in andere Genres. Im Alter von sechs Jahren begann ich Klavier zu spielen, als Neunjähriger dann auch Geige. Meine Faszination für das Cembalo begann in der Sekundarschule. 2013 schloss ich meine Ausbildung auf dem Cembalo ab. Ich studierte mit M. Kamata und U. Söderberg am Collegium Musicum, der auf Alte Musik spezialisierten Abteilung der Königlichen Musikhochschule Stockholm. Meine Bühnenerfahrung ist trotz meines jugendlichen Alters bereits reich, da ich schon zu Studienzeiten immer wieder engagiert wurde. Heute trete ich mit Barockmusikern wie P. Spissky, A. Bernardini und R. Podger auf und konzertiere regelmäßig mit Ensembles wie Concerto Copenhagen und dem Drottningholms Barockensemble. Mit Concerto Copenhagen habe ich überdies 2012 die Musik für den Dänischen Film Eine königliche Affäre (En kongelig affære) aufgenommen, der für einen Golden Globe und für einen Oscar nominiert war. www.cembalo.se

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