10 – Jesu dulcis memoria

Basskantaten von den Gestaden der Ostsee

Sonntag, 9. September | 18 Uhr
Stiftskirche St. Georgen/Längsee

Jakob Bloch Jespersen – Bass

Lars Ulrik Mortensen – Orgel, Cembalo & Leitung

Concerto Copenhagen
Fredrik From, Peter Spissky – Violine
Antina Hugosson, Jesenka Balic Zunic – Violine, Viola
Joshua Cheatham – Kontrabass
Jane Gower – Dulzian

Im 17. Jahrhundert zog es nicht wenige der angesehensten Komponisten und Musiker Europas in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Dies mag einerseits daran gelegen haben, dass am königlichen Hofe Großzügigkeit angesagt war und hier höhere Löhne als anderorts gewährt wurden. Andererseits hatte es wohl auch damit zu tun, dass die Künstler sich schlicht und einfach nach friedlicheren Arbeitsbedingungen sehnten. Ein Umstand, der in Anbetracht der zahllosen militärischen Konflikte dieser Zeit, besonders auf dem Gebiet des heutigen Deutschland, durchaus nachvollziehbar scheint. Zwar war Dänemark nicht gänzlich verschont geblieben von den Kriegswirren, aber etwas ruhiger als im Zentrum Europas dürfte es dort dennoch zugegangen sein.

Einer jener Komponisten, die in Kopenhagen wirkten, war Matthias Weckmann (1616–1674). „Wie er noch ein Knabe wahr, merckte man an ihm in seiner Jugend, er Inclination zu der Music hette“, ist in historischen Quellen über ihn zu lesen. Vom Talent seines Sohnes überzeugt, brachte Weckmanns Vater diesen im zarten Alter von elf Jahren persönlich nach Dresden, wo er als Kapellknabe neben dem Italiener Giovanni Gabrieli als Gesangslehrer auch den damaligen Hofkapellmeister Heinrich Schütz als Kompositionslehrer haben sollte.

Mit Schütz verband Weckmann in der Folge nicht nur eine väterliche Freundschaft, er sollte es auch sein, in dessen Auftrag er 1637 erstmals an den königlich-dänischen Hof reiste. 1643 begab er sich abermals nach Dänemark, diesmal mit Mitgliedern der kurprinzlich-sächsischen Kapelle und in Begleitung von Schütz. Hier wird er von Kronprinz Christian zum Kapellmeister am Hof in Nykøbing berufen. Nach dem Tod des Prinzen im Jahre 1647 kehrte Weckmann nach Dresden zurück, um – wie schon zuvor – abermals die Stelle des Hoforganisten zu besetzen.

Das Leben des Orgel- und Geigenvirtuosen Nicolaus Bruhns (1665–1697) lässt sich nur sehr bruchstückhaft rekonstruieren, als gesichert gilt allerdings, dass er zu Beginn der 1680er-Jahre als stellvertretender Organist an der Nicolaikirche in Kopenhagen tätig war. Es wird vermutet, dass er seinen ersten Musikunterricht von seinem Vater erhielt und bei seinem Onkel in Lübeck, einem Ratsmusiker, das Gamben- und Geigenspiel erlernte, um später bei Dieterich Buxtehude (1637–1707) Komposition zu studieren und sein Orgelspiel zu vervollkommnen.

Als Instrumentalist soll Bruhns es zu einer solchen Meisterschaft gebracht haben, dass er, wie uns der Komponist und Musikschriftsteller Johann Mattheson (1681–1764) in seinem Musiklexikon berichtet, zuweilen gleichzeitig die Geige und an der Orgel mit dem Pedal den Bass gespielt haben soll. Und glaubt man den Ausführungen von Ernst Ludwig Gerber (1746–1819), ebenso Komponist und Musikschriftsteller, so soll er gelegentlich auch noch währenddessen gesungen haben, sodass sich sein Spiel wie das von mehreren Personen anhörte. Nicolaus Bruhns’ Leben währte nur kurz. Mit 31 Jahren starb er in Husum, Schleswig-Holstein, an der Schwindsucht.

Abenteuerlich liest sich die Biografie von Kaspar Förster (1616–1673). Der Bass-Sänger und Komponist wurde in Danzig geboren, wo er auch seine ersten musikalischen Schritte tat. Zur Vertiefung seiner Ausbildung ging er nach Warschau, in der Folge nach Italien, wo er – mit Unterbrechungen – für mehrere Jahre blieb, bis ihn Frederik III. 1652 nach Kopenhagen berief, um die dortige Hofkapelle neu zu organisieren. Der aufflammende Krieg zwischen Dänemark und Schweden sollte Förster allerdings bereits 1655 dazu bewegen, die Stadt wieder zu verlassen. Für zwei Jahre übernahm er eine Stelle in Danzig, begab sich aber 1657 abermals nach Italien. Diesmal jedoch nicht, um sich musikalisch weiterzubilden, sondern um auf Kreta als Hauptmann in Diensten Venedigs gegen die Türken zu kämpfen. Ab 1661 finden wir ihn wieder in Kopenhagen, wo er für mehr als zehn Jahre die Hofkapelle leitete. Förster hinterließ seine musikalischen Spuren nicht nur in Kopenhagen, er war auch mitverantwortlich dafür, dass der italienische stile nuovo in das norddeutsche Oratorium Eingang fand.

Concerto Copenhagen, seit vielen Jahren eines der führenden Ensembles Alter Musik, widmet sich gemeinsam mit dem dänischen Bass Jakob Bloch Jespersen in diesem Konzert jedoch nicht ausschließlich der Musik aus dem Umfeld des dänischen Hofes. Mit Dieterich Buxtehudes (1637–1707) berührenden Kantaten Mein Herz ist bereit (BuxWV73) und Ich bin eine Blume zu Saron (BuxWV45) erklingen auch Werke jenes Komponisten, der als Organist der Lübecker Marienkirche und berühmtester Vertreter der Norddeutschen Orgelschule die musikalische Entwicklung seiner Zeit maßgeblicher beeinflusst hat, als es die allermeisten seiner Kollegen zu tun vermochten.

Und wenn auch Buxtehude, übrigens im damals zu Dänemark gehörenden Helsingborg geboren, selber nie am Hofe in Kopenhagen wirkte, lässt sich dennoch sein Einfluss zumindest indirekt nachweisen: Nicolaus Bruhns, der als Meisterschüler Buxtehudes galt, bezeichnete diesen zeitlebens als sein größtes Vorbild.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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