11 – Elam Rotem (*1984)

Josef und seine Brüder (2013)

Musikalisches Drama in drei Akten
nach Genesis 37–50

Aufführung in hebräischer Sprache mit Übertiteln

Donnerstag, 13. September | 19 Uhr
Stiftskirche St. Georgen/Längsee

Profeti della Quinta
Doron Schleifer – Countertenor I
Roman Melish – Countertenor II
Lior Leibovici – Tenor I
Dan Dunkelblum – Tenor II
Elam Rotem – Bass, Cembalo und Leitung
Ori Harmelin – Chitarrone
Elizabeth Rumsey – Lirone
Aki Noda – Orgel

Franciska Anna Hajdu, Roswitha Dokalik – Violine
Giovanna Baviera, Domen Marincic – Viola da gamba
Dávid Budai – Violone

 

Im Buch Genesis findet sich die Geschichte Josefs und seiner Brüder, wohl eine der berührendsten Erzählungen aus dem Alten Testament.

Josef, der elfte von insgesamt zwölf Söhnen des Erzvaters Jakob, wird diesem noch im hohen Alter geboren. Die Freude des Vaters darüber ist so groß, dass er ihn von Geburt an über seine anderen Söhne stellt, was Josefs älteren Halbbrüdern verständlicherweise missfällt. Deren Eifersucht nimmt sogar noch zu, als Jakob seinem Lieblingssohn einen wertvollen Ärmelrock zum Geschenk macht. Und dass Josef seinen Halbbrüdern in der Folge noch erzählt, er hätte davon geträumt, dass sie alle sich eines Tages vor ihm verbeugen und auf die Knie gehen würden, trägt auch nicht gerade zur Befriedung der ohnehin bereits äußerst angespannten familiären Situation bei.

Es kommt also, wie es kommen musste, und schnell war der Entschluss gefasst: Josef muss weg! Glücklicherweise nehmen die Halbbrüder vom ursprünglichen Plan, der die Ermordung Josefs vorsah, wieder Abstand, denn sein Tod hätte dieser Geschichte zweifellos kein Happyend beschert. So entscheiden sie sich dazu, dem Vater vorzutäuschen, sein Liebkind wäre einem wilden Tier zum Opfer gefallen, tatsächlich aber verkaufen sie Josef für zwanzig Silberlinge an ismaelitische Sklavenhändler, durch die Josef nach Ägypten und schließlich in den Besitz des Potifars, dem Oberaufseher der Leibwache und Kämmerer des Pharaos, kommt.

Doch Gott meinte es gut mit Josef, der es in Ägypten weit bringen sollte. Selbst ein zwischenzeitlicher Gefängnisaufenthalt, bedingt durch die ihm von Potifars Frau zu Unrecht unterstellte Vergewaltigung, kann seinen Aufstieg nicht bremsen, und kraft seines Talentes im Deuten von Träumen gelingt es ihm, den Pharao in solchem Maße zu beeindrucken, dass dieser ihn letztlich sogar zu seinem Stellvertreter erhebt und zum Landesvater ausrufen lässt.

Wie die Geschichte ausgeht, will ich aber – so Sie es nicht ohnehin wissen – an dieser Stelle keinesfalls kundtun. Nur soviel sei verraten: Josefs Traum, dessen Inhalt seine Halbbrüder dereinst erzürnte, sollte sich am Ende doch noch erfüllen …

Der musikalischen Sprache und Tradition der revolutionären musikalischen Dramen von Emilio de‘ Cavalieri (1550-1602), Giulio Caccini (1551–1618) und Claudio Monteverdi (1567–1643) folgend gelingt es dem jungen israelischen Komponisten Elam Rotem (*1984) nicht nur, die Geschichte Josefs und seiner Brüder auf berührende und fesselnde Weise zu erzählen, er wagt zugleich einen weiteren, durchaus mutigen Schritt im Hinblick auf die historisch informierte Aufführungspraxis Alter Musik: sich nicht zu beschränken auf die reine Rekonstruktion von Musik der Vergangenheit, sondern vielmehr auch die Kunst des verloren geglaubten Handwerkes wieder zur Anwendung zu bringen.

So entsteht ein vollkommen neues künstlerisches Werk, welches einen wesentlichen Beitrag zum musikalischen Verständnis im Geiste der gegenwärtigen Zeit zu leisten vermag.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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