06 – La Leggenda Di Orlando

Von Schlachten, Liebe und Wahnsinn zwischen Cunto und Barockmusik

Samstag, 8. September | 14 Uhr
Blumenhalle St. Veit/Glan

Arianna Art Ensemble
Victoria Melik, Raffaele Nicoletti – Violine
Valeria Caponnetto – Viola
Andrea Rigano – Cello
Alessandro Nasello – Blockflöte & Fagott
Paolo Rigano – Erzlaute
Cinzia Guarino – Cembalo

Maurizio Maiorana – Cunto

In Zusammenarbeit mit:
Accademia di Belle Arti di Palermo
Dipartimento Arti Applicate
Scuola di Scenografia

Fabrizio Lupo – Regie
Alessia D’Amico – Puppenspiel, Bühne
Gabriele Genova – Puppen, Puppenspiel & Projektionen

 

Die Legende von Orlando furioso, dem rasenden Roland

„Die Ritter, Fraun, Großtat der Hochgemuten, Lieb‘, Edelart zum Sang ich mir erkor“,
heißt es in Ludovico Ariostos (1474–1533) Orlando furioso, der uns häufig als Stoff barocker Opern begegnet, boten doch die von Ariosto darin verwobenen Fäden der Liebe, des Wahnsinns, des Zaubers und der Ausflüchte den Komponisten die ideale Gelegenheit, all diese „Affekte“ auf die Bühne zu bringen.

Doch worum geht es eigentlich in diesem Epos, das erstmals 1516 in Ferrara erschien?

Von Kaiser Karl dem Großen ist die Rede, jenem Mann, der um das Jahr 800 ein Reich regierte, das beinahe so groß war wie das heutige Europa. Und vom Sarazenen Agramante, dem Anführer eines arabischen Nomadenstammes, der sich mit Karl so manche Schlacht lieferte. Nicht zu vergessen den edlen Ritter Orlando, Karls Neffen, und seine Kollegen Ferraù, Olivero, Sacripante und Rinaldo.

Dass keine wirklich gute Geschichte – und schon gar nicht diese – ohne das zarte Geschlecht auskommt, versteht sich von selbst: Angelika, eine wunderschöne chinesische Prinzessin. Als sie dereinst am Hof Kaiser Karls in Paris ankam, entflammten augenblicklich alle Ritter in Liebe zu ihr und verfolgten sie immerfort mit begehrlichen Blicken. Schlimmer noch – die Ritter begannen sogar, sich untereinander um die Gunst der Angebeteten zu prügeln. Damit hatte Karl verständlicherweise wenig Freude, denn wer sollte die Sarazenen besiegen, wenn jeder nur mehr im Sinne hatte, wie er das Herz der Prinzessin erobern könnte.

Besonders arg sollte es Orlando treffen, unseren tragischen Titelhelden, der ob der Liebesqual gar seinen Verstand verlor. Den wiederzufinden machte sich Astolfo, britischer Prinz, zur Aufgabe und trat sogleich auf seinem Hippogryphen – einem Mischwesen aus Adler und Pferd – eine Reise zum Mond an, wo sich ja bekanntlich alle Gegenstände befinden, die auf der Erde verlorengegangen sind. Und tatsächlich sollte er fündig werden: Unter tausenden von Glasflaschen, die verstreut auf dem Mond herumlagen, entdeckte er glücklicherweise jene, auf der geschrieben stand: „Hierin befindet sich der gesunde Verstand Orlandos“.

Ohne zu zögern schnappte sich Astolfo das Behältnis und ritt damit schnurstracks zurück auf die Erde, um dessen Inhalt seinem Besitzer zurückzubringen. Dies nicht nur zur Freude Orlandos – auch Karl schien sehr erleichtert, denn endlich konnte sich sein Neffe wieder klaren Verstandes dem Kampfe widmen.

In unserer Aufführung des „Rasenden Rolands“ bedienen sich die Künstlerinnen und Künstler einer ganzen Reihe von Ausdrucksmöglichkeiten: so trifft Musik aus der Feder von Antonio Vivaldi auf die bis in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts lebendige Tradition der sizilianischen Cuntastorie (Geschichtenerzähler), die auf die Zeit des antiken Griechenlands zurückgeht. Schon damals zogen Sänger durch die Straßen und trugen in einer speziellen Art von rhythmischem Sprechgesang Heldenepen vor.

Doch auch die einzigartigen Marionetten der Opera dei Pupi, dem für Palermo seit dem 19. Jahrhundert so typischen Puppentheater, begleiten uns auf dieser Reise zurück in die Zeit jener Ritter ohne Furcht und Tadel, die zwar vor Tapferkeit strotzten, aber dennoch nicht davor gefeit waren, im Liebestaumel ihren Verstand zu verlieren.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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