Matinée

F. Schubert (1797-1828)
Sonate für Arpeggione und Klavier in a-Moll (D 821)

 L. van Beethoven (1770-1827)
Cellosonate Nr. 3 A-Dur op. 69

Catherine Jones – Cello
Sharon Prushansky – Hammerflügel

Die Viola pomposa, das Baryton und der Arpeggione – drei einander verwandte Streichinstrumente, die heute weitestgehend in Vergessenheit geraten und wohl nur noch Kennern der historischen Aufführungspraxis ein Begriff sein dürften. Dennoch gab es durchaus – zuweilen praktische – Gründe, die ihre Entstehung und Existenz rechtfertigen. So soll J.S. Bach höchstpersönlich beim Leipziger Instrumentenbauer J.C. Hoffmann dereinst Tenorgeigen (eben Viole pomposa) mit den klanglichen Eigenschaften eines Cellos in Auftrag gegeben haben, um darauf von geübten Geigern gegebenenfalls Cellostimmen spielen zu lassen. Das Baryton wiederum, welches nach Aussagen von L. Mozart zu den »anmuthigsten Instrumenten« gezählt wurde, weist als Besonderheit zusätzlich zu den Spielsaiten Resonanzsaiten auf, die mit der linken Hand gezupft werden können und ihm dadurch einen charakteristischen Nachhall verleihen. Im Falle des Arpeggione ging es seinem Schöpfer, dem Wiener Instrumentenbauer J.G. Stauffer, darum, die Merkmale der Gitarre (äußere Form, flacher Boden, Stimmung und Anzahl der Saiten, Metallbünde) mit denen des Cellos (Saitenlänge, Spielhaltung, gewölbte Decke, Bogenführung) zu kombinieren, um ein Instrument zur Verwendung zu haben, das die Bauprinzipien der Gitarre und die begehrten Ausdrucksmöglichkeiten und dynamischen Qualitäten des gestrichenen Tons in sich vereint.

Besonders in den 1820er-Jahren erfreute sich der Arpeggione wegen seiner klanglichen Schönheit und Fülle großer Beliebtheit, was durchaus auch der Beflissenheit von V. Schuster, einem der führenden Virtuosen auf diesem Instrument, geschuldet war. Für ihn komponierte F. Schubert, der sich zu jener Zeit einerseits vermehrt der »großen Sinfonie « sowie den großen Streichquartetten und Klaviersonaten zuwandte, sich andererseits aber auch der Virtuosenliteratur des Salonzeitalters öffnete, im März 1824 seine Sonate für Arpeggione und Klavier in a-Moll (D 821). Als diese fast 50 Jahre später im Druck erschien, wurde sie mit alternativen Streicherstimmen für Violine und Cello veröffentlicht, wovon sich jene für Cello durchgesetzt hat und trotz der besonderen Herausforderungen, die sie aufgrund der unterschiedlichen Möglichkeiten der Instrumente an die Interpreten stellt, bis in unsere Tage immer wieder zur Aufführung gelangt. Aus L. van Beethovens mittlerer Schaffensperiode stammt seine Cellosonate Nr. 3 A-Dur op. 69, wobei nur der erste der drei Sätze als Autograph des Komponisten erhalten geblieben ist. Die 1809 bei Breitkopf und Härtel in Leipzig erschienene Originalausgabe des Werkes ist Beethovens Freund, dem passionierten Hobby-Cellisten Ignaz Freiherr Gleichauf von Gleichenstein (1778-1828) gewidmet. Mit ihm verband Beethoven spätestens ab 1807 eine enge Freundschaft, die nicht nur darin zum Ausdruck kam, dass Gleichenstein einer der wenigen Menschen war, die der Komponist duzte. Er war es auch, der als studierter Jurist jenen Vertrag mit den Mäzenen Erzherzog Rudolph (dem späteren Erzbischof von Olmütz), Joseph von Lobkowitz und Fürst Ferdinand von Kinsky aufsetzte, in welchem diese Beethoven eine lebenslange Pension zusicherten. Nicht zuletzt wegen des als sehr ausgewogen zu bezeichnenden Verhältnisses zwischen Klavier und Cello sowie der herausragenden kompositorischen Qualität dieser Sonate wurde dieses Werk Beethovens in späterer Folge zum Vorbild für Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms u.a.

 


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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