Nostalgia – Meer der Erinnerungen

Musik aus dem Mediterranen Raum

Nihan Devecioglu – Gesang
Friederike Heumann – Viola da gamba, Lirone

Xavier Díaz-Latorre – Laute, Theorbe

Über 4 Millionen Kubikkilometer Salzwasser mit einem mittleren Salzgehalt von 37%, eine Gesamtfläche von rund 3 Millionen Quadratkilometern, maximale Tiefe von 5.267 Metern, 3 Kontinente, 21 Anrainerstaaten, 12.700 Kilometer Küsten. Wem von uns, so er oder sie nicht zufälligerweise Geograph oder passionierter Löser von Rätseln sein sollte, kommt beim Lesen dieser nüchtern aufgelisteten Zahlen und Fakten in den Sinn, dass es sich beim derart Beschriebenen um das Mittelmeer handeln könnte? Angenehmere Empfindungen dürfte hingegen die Bezeichnung Mare Nostrum – so nannten die Römer beinahe liebevoll das Mittelmeer – auslösen, selbst wenn in jüngster Vergangenheit damit nicht nur das besonders uns Österreichern so lieb gewordene Meer (fast) vor unserer Haustür in all seiner Schönheit und Vielfältigkeit assoziiert wird. Auch die im Oktober 2013 begonnene Marineoperation zur Errettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen, die all ihre Hoffnung darauf verwenden, durch Überquerung des tiefen Wassers nach Italien – und somit Europa – zu gelangen, trägt diesen Namen. Allein bis Oktober 2014 stieg die Anzahl der geretteten Frauen, Kinder und Männer auf unglaubliche 150.000. Und gibt es auch keine direkte Verbindung zwischen dem uns an diesem Abend erwartenden Spätkonzert und dem Verweis auf die uns und Europa gegenwärtig so sehr beschäftigende Thematik der Flüchtlingsströme mit all ihren Folgen, so lässt dieser uns doch auf zutiefst berührende Weise erkennen, wie vielfältig die Erlebnisse, Gefühle und Erinnerungen, die Menschen aller Zeiten in den Ländern und Regionen rund um das Mare Nostrum bewegten, sein mögen, wie nahe Hoffnung und Verzweiflung, Leben und Tod sowie Freud und Leid beieinander liegen. Von ebensolcher Vielfalt zeugt die Musik des Mittelmeerraumes, die seit jeher gleichsam durch den Wind Verbreitung fand und auf Schiffen in die Häfen der damaligen Metropolen gelangte. Eine besondere Rolle spielte dabei die Republik Venedig, die seit dem Mittelalter nicht nur wichtigster Umschlagplatz, vielmehr auch Schmelztiegel der Kulturen war. Hier sang und spielte man die Lieder aus der gesamten zu jener Zeit bekannten Welt, hier trafen Klänge aufeinander, die nicht nur den Bewohnern der Serenissima ebenso viel Freude und Inspiration bereiteten wie die betörenden Düfte der dargebotenen Gewürze und ätherischen Öle aus dem Orient. Nani, Nani – ein Wiegenlied sephardischer Juden aus Smyrna, dem heutigen Izmir; ein virtuoser Passamezzo des spanischen Komponisten D. Ortiz; das griechische Lied Giati pouli m’den kelaidis aus Ostthrakien, dem auf der Balkanhalbinsel liegenden und somit europäischen Teil der Türkei; ein Lamento über den Fall Konstantinopels; Amor de mel, amor de fel – die Melodie eines portugiesischenFado; spanische Tänze, Xacaras und Canarios von G. Sanz; das Lamento d’Apollo aus F. Cavallis Oper Gli amori d’Apollo e di Dafne; ein armenisches Lied – aufgezeichnet vom Priester, Komponisten, Sänger und Musik gelehrten K. Vardapet … Keine Angst! Wir haben nicht vor, die Klosterkirche mit Salzwasser zu fluten, aber es könnte durchaus der Fall eintreten, dass sie sich an den Gestaden des Mare Nostrum wähnen.

 


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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