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Mia Benigna Fortuna
Das italienische Madrigal zwischen Renaissance und Frühbarock

Die Madrigale von Cipriano de Rore (ca. 1515 – 1565), einer zentralen Gestalt der italienischen Musikgeschichte, entsprechen nicht nur dem für die Renaissance typischen Ideal des reinen Klangvergnügens, sondern eröffnen zugleich neue experimentelle Wege, um der Dichtung Ausdruck zu verleihen. Rore war musikalisches Vorbild vieler bedeutender Komponisten, darunter Luzzasco Luzzaschi (ca. 1545 – 1607), der am Hof der Familie Este in Ferrara, einem der auf musikalischem Gebiet führenden italienischen Fürstenhöfe, wirkte und die musikalische Tradition Rores mit seinen äußerst eleganten Madrigalen fortsetzte.

Carlo Gesualdo (1560 – 1613), Principe di Venosa, Adeliger und autodidaktischer Komponist, studierte eine Zeitlang bei Luzzaschi. Gesualdo wurde von seinen Zeitgenossen als geradezu »musikbesessen« bezeichnet, und in der Tat wird eine gewisse »Verrücktheit« in seinen chromatischen und avantgardistischen Madrigalen offenbar. In ihnen bringt er den Inhalt der Dichtung effektvoll zum Ausdruck, manchmal sogar auf Kosten der musikalischen Schönheit.

Claudio Monteverdi (1567 – 1643) ist es wohl zu verdanken, dass das Genre des Madrigals bis in unsere Zeit bekannt und beliebt geblieben ist. Sein achtes Madrigalbuch Madrigali guerrieri et amorosi wird vielfach als vollendetstes Beispiel dieser Form angesehen.

Zeigen sich auch deutliche Unterschiede zwischen den Kompositionen von Cipriano de Rore, Luzzasco Luzzaschi, Carlo Gesualdo und Claudio Monteverdi, so waren sie doch alle demselben Ideal verpflichtet: Dichtung emotional und gestalterisch in hochexpressiver polyphoner Musik auszudrücken.

Profeti della Quinta
Doron Schleifer, David Feldman – Canto
Dan Dunkelblum, Cory Knight – Tenor
Elam Rotem – Bass & Leitung
Ori Harmelin – Chitarrone

Das Vokalensemble Profeti della Quinta hat sich vorrangig dem Repertoire des 16. und frühen 17. Jahrhunderts verschrieben, wobei besonderes Augenmerk auf lebhafte und expressive Aufführung der Werke gelegt wird, die Auseinandersetzung mit den originalen Aufführungspraktiken an erster Stelle steht und sich die Mitglieder einzeln wie als Ensemble von der Erfahrung führender Musiker der Alten Musik inspirieren lassen. Im Kern bestehend aus fünf Sängern, wird bei Bedarf die Besetzung mit zusätzlichen Instrumentalisten und Sängern erweitert. Das Ensemble widmet sich der Forschungsarbeit und Aufführung bislang vernachlässigter Werke, wie z.B. Emilio de Cavalieris Lamentationes (1600) oder Salomone Rossis Hashirim asher li’Shlomo (1623), das als Erstaufnahme eines polyphonen Werks in hebräischer Sprache bei PAN Classics und Linn Records erschien und von der Kritik gelobt wurde.

Profeti della Quinta tritt regelmäßig auf Musikfestivals und in Konzertsälen auf der ganzen Welt auf, unter anderem auf dem Festival Oude Muziek in Utrecht (Niederlande) und dem York Early Music Festival (England). Ferner wirkte das Ensemble bei dem in Mantua gedrehten Dokumentarfilm über Salomone Rossi, einem italienisch-jüdischen Geiger und Komponisten des Frühbarock, mit. Im Juli 2011 gewann das Ensemble die Early Music Young Artists Competition in York. Für das Jahr 2014 sind Konzerte in Kanada, den USA, Japan, Deutschland, Österreich und Frankreich geplant. Gegründet wurde Profeti della Quinta vom Bassisten und Cembalisten Elam Rotem in Galiläa, Israel, wobei sämtliche Mitglieder in der Zwischenzeit weiterführende Studien an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel absolvierten und das Ensemble aus diesem Grund nun seinen Sitz in der Schweiz hat.    www.quintaprofeti.com