Milano Fantastica

Auf den Spuren von C. Burney, C. de Brosses, L. und W.A. Mozart

Maria Hinojosa Montenegro – Sopran
Ensemble in Residence

Monika Tóth – Konzertmeisterin
Vanni Moretto – Leitung
Stephan von der Decken – Rezitation

Mediolanum (in der Mitte der Ebene) – so nannten die Römer jene Siedlung, die sie um das Jahr 222 v. Chr. vom keltischen Stamm der Insubrer erobert hatten und aus der in späterer Folge das heutige Mailand hervorging. 286 n. Chr. erklärte Kaiser Diokletian die inzwischen zu beträchtlicher Größe angewachsene Niederlassung zur Hauptstadt der weströmischen Reichshälfte; im Jahr 313 wurde hier jenes Edikt verkündet, in dem Kaiser Konstantin den Christen Glaubensfreiheit zusicherte. Die nächsten Jahrhunderte sollten von Eroberungen und kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt sein. So gaben sich hier nacheinander die Westgoten, danach die Hunnen, dann die Ostgoten und schließlich die Langobarden die Klinke in die Hand, ehe die Region im Jahr 774 Teil des Frankenreiches wurde. Einen traurigen Höhepunkt in der Geschichte Mailands markierte unbestritten die bedingungslose Unterwerfung und fast vollständige Zerstörung der Stadt durch Truppen Kaiser Friedrich I. Barbarossas. Doch schon bald darauf begann der Aufstieg zur Signoria, der maßgeblich von einflussreichen Patrizierfamilien mitbestimmt wurde. Waren es anfänglich die della Torre, so sollten sich ab 1277 die Visconti durchsetzen. Nach deren Aussterben fiel Mailand um 1450 an die Familie der Sforza, unter deren Herrschaft die Stadt zu einem der bedeutendsten Zentren der italienischen Renaissance werden sollte.

Es folgte ein kurzes Intermezzo unter französischer Herrschaft, doch nach dem Sieg Karls V. über Franz I. fiel Mailand 1525 an das Haus Habsburg, 1556 an die Vertreter der spanischen Linie der Habsburger. Als Resultat des ab 1701 geführten Spanischen Erbfolgekrieges wurde 1714 im Frieden von Rastatt die Stadt abermals den österreichischen Habsburgern zugesprochen, woran sich auch bis zur Eroberung der Lombardei durch Napoleon im Jahr 1796 nichts ändern sollte. Genauso wechselvoll und vielfältig wie die Geschichte der norditalienischen Metropole war und ist auch das kulturelle und musikalische Leben Mailands. Ein Umstand, der dazu führte, dass der englische Komponist, Organist und Musikhistoriker Charles Burney (1726-1814) auf seiner ausgedehnten Reise durch Frankreich und Italien 1770 hierher kam und seine Beobachtungen und Erfahrungen in seine spätere Publikation The Present State of Music in France and Italy (1771) einfließen ließ. Doch war er nicht der einzige, der der pulsierenden Stadt zu jener Zeit einen Besuch abstattete: Der Franzose Charles de Brosses (1709-1777), einer der ersten Enzyklopädisten, sowie Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart taten es ihm gleich. Während ihrer abenteuerlichen Reisen auf holprigen Straßen und in wenig komfortablen Kutschen mussten sie oft mit Mahlzeiten mäßiger Qualität Vorlieb nehmen, die Nächte verbrachten sie zumeist in improvisierten Quartieren. Dennoch ließen sie sich nicht davon abhalten, bei jeder Gelegenheit – und derer boten sich unzählige! – über Musik zu sprechen. Ihre uns noch heute vorliegenden Aufzeichnungen sind nicht nur für die Musikwissenschaft von größter Bedeutung, vielmehr lässt sich daraus – und unter Zuhilfenahme der Musik – auch ein farbenfrohes Bild voller überraschender Details malen, das uns selbst 250 Jahre später auf wunderbare Art und Weise erkennen lässt: Milano Fantastica ist weit davon entfernt, in Vergessenheit zu geraten. Wir hören Werke von Niccolò Piccinni, Florian Leopold Gassmann, Jean-Philippe Rameau, Maria Teresa Agnesi, Niccolò Jommelli, Johann Christian Bach, Tommaso Traetta, Pasquale Ricci, Leopold Mozart und Wolfgang Amadeus Mozart.

 


Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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