09 – Music, sweet and secret …

Sonntag, 9. September | 14 Uhr
Schloss Tentschach

Laurence Dreyfus – Diskantgambe
Christian Rivet – Laute

Unter der Herrschaft der protestantischen Königin Elisabeth I. (1533–1603) waren die Katholiken in England aufgrund ihrer Treue zu ihrem traditionellen Glauben immer wieder Verfolgungswellen ausgesetzt. Die Riten der Katholiken waren per Gesetz verboten, womit einherging, dass es den „Rekusanten“ – den Verweigerern der anglikanischen Staatskirche – untersagt war, die lateinische Messe zu zelebrieren. Ja selbst der katholische Adel, der der Monarchin Treue gelobte, wurde mitunter der Volksverhetzung verdächtigt oder beschuldigt, Spionen des Papstes Unterschlupf zu gewähren.

Die aristokratische Familie Petre von Ingatestone Hall in Essex, in deren Diensten der Musiker Richard Mico (ca. 1590–1661) – ein Schüler William Byrds – stand, ließ sogar eine geheime Kapelle, verborgen hinter getarnten Türen, errichten. Dort wurden den Gläubigen von im Untergrund tätigen Patern des Jesuitenordens die Sakramente gespendet, bis schließlich einige von ihnen, darunter Pater Edmund Campion, festgenommen, gefoltert und öffentlich unter Anwendung wahrlich grausamer Hinrichtungsmethoden im London der 1580er-Jahre exekutiert wurden. Selbst zu liberaleren Zeiten unter der darauffolgenden Herrschaft von Jakob I. (1566–1625) mussten die Rekusanten stets auf der Hut sein, um nicht ungewollt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Die Komponisten William Byrd (ca. 1540–1623) und John Dowland (1563–1626) waren beide römisch-katholischen Glaubens, und insbesondere Byrd wurde mit dem Hause Petre sowie mit einer weiteren reichen Familie, den Pastons, in Verbindung gebracht. Robert Paston (1550–1630) lebte in einem „rosenfarbenen Herrenhaus“ auf dem Land in Norfolk und bearbeitete eine beträchtliche Anzahl von Byrds Werken für Laute und Sologesang, wobei manche auf Texten basierten, die auf die katholische Minderheit anspielen.

Im Rahmen dieses Programmes lassen Laurence und Christian die Atmosphäre des intimen, häufig wehmutsvollen und bisweilen im Verborgenen stattgefunden habenden Musizierens zweier Künstler in einem der prachtvollen Häuser der Rekusanten wieder aufleben. Manche der Werke, wie jene aus Dowlands Sammlung Lachrimae (1603), ursprünglich entstanden für fünf Gamben und Laute, erklingen in Bearbeitungen, die ihrerseits wiederum auf Dowlands Stücken für Gesang und Laute fußen. Demgegenüber sind auch Werke für Gambenconsort sowie Consort-Musik für Sopran und vier Gamben in Arrangements zu hören, die sich an jenen aus der Feder von Robert Paston orientieren. Im Verlauf des Konzertes wechseln die beiden Instrumente immer wieder ihre Rollen, indem sie bisweilen „sich selbst“ in ihren ursprünglichen Stimmen spielen, in der Folge aber vorgeben, Solo- oder gar Chorsänger zu sein. In anderen Passagen imitieren sie größere Ensembles, deren Klang im trauten Kreis von bewanderten elisabethanischen und jakobinischen Musikliebhabern widerhallt.
Laurence Dreyfus, Übersetzung: Barbara Meinx

Neben Werken von William Byrd, Richard Mico und John Dowland erklingen auch Stücke der Komponisten Christopher Simpson (1602–1669) und Tobias Hume (ca. 1579–1645).

Unser besonderer Dank gilt Herrn Dr. Christian Kos, der uns die Gelegenheit gibt, in seinem wunderbaren Schloss Tentschach zu Gast sein zu dürfen.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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