09 | NOSTALGIA DEGLI SUONI

Opposites attract

Freitag 13. September | 19 Uhr
Stiftskirche St. Georgen/Längsee

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FRANZISKA FLEISCHANDERL – Salterio
GEORG KALLWEIT – Violine

Alte Musik auf historischen Instrumenten – so lautete das Motto, unter dem vor rund 60 Jahren eine Entwicklung eingeläutet wurde, der wir die Entdeckung ungeahnter musikalischer Schätze aus bislang kaum erforschten Epochen der Musikgeschichte zu verdanken haben. Das Interesse der Pioniere beschränkte sich aber keineswegs auf Manuskripte und Autographen, bald stellte man sich auch die Frage nach dem geeigneten Instrumentarium und philosophierte über Klangvorstellungen, galt es doch, die dem Vergessen entrissenen Werke zu neuem Leben zu erwecken. Und beflügelt von ihrem Wissensdurst und großer Neugier legten nicht wenige Musiker sogar selbst Hand an, wenn es darum ging, alte Lauten, Zinken, Cembali, Naturhörner etc. zu restaurieren und wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zuzuführen.
Doch seit einigen Jahren scheint es fast so, als hätte die Begeisterung – auch unter der jüngeren Generation – etwas nachgelassen, weswegen es nicht verwunderlich ist, dass es heute noch Instrumente gibt, über die uns wenig bekannt ist und die nur sehr selten im Konzert zu erleben sind – wie zum Beispiel das Salterio.
Das Salterio, gemeinhin als Hackbrett des Barocks bezeichnet, erfreute sich besonders im Italien und Spanien des 18. Jahrhunderts unter den Vertreterinnen und Vertretern der Aristokratie und des Klerus großer Beliebtheit. Es erklang in Kirchen, an den Höfen und in den Theatern, umfasste doch das eigens für dieses Instrument entstandene Repertoire alle musikalischen Genres dieser Zeit. Als Alleinstellungsmerkmal kann die gleichwertige Anwendung zweier völlig unterschiedlicher Spieltechniken gesehen werden – nämlich jene des Zupfens mit Fingern und Federkielen (pizzicato) und jene mittels zweier kleiner Schlägelchen (battuto) –, welche es zu einem wahren akustischen Verwandlungskünstler mit großer Dynamik und erstaunlichem Klangfarbenreichtum werden lassen.

In puncto Artikulation muss das Instrument allerdings passen, denn ist ein Ton einmal angezupft oder angeschlagen, klingt er lange nach, da es im Gegensatz zum Cembalo oder Fortepiano kein Dämpfsystem gibt. Auch ist es gänzlich unmöglich, ihn während seines Erklingens zu beeinflussen oder zu gestalten. Gerade deshalb halten wir es für eine äußerst charmante und spannende Idee, das Salterio mit jenem Instrument zu kombinieren, dessen Artikulationsfähigkeit einzig von der menschlichen Stimme überboten wird – der Violine. So vereinen sich auf faszinierende Weise ganz unterschiedliche musikalische Gestaltungsmöglichkeiten zu einem Klangkörper: die singende Violine hüllt sich in einen Mantel aus sphärischen Klängen, das strahlendglitzernde Salterio schwebt über einem erdig-klaren Fundament. Mit Werken der Komponisten G.A.P. Mealli, G.P. Telemann, J. Vilsmayr, C.P.E. Bach, W.A. Mozart, G. Famulari und F. Perotti.

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ÜBER DIE KÜNSTLER

Franziska Fleischanderl wurde in Linz geboren und ist eine der wenigen Salteriospielerinnen dieses Planeten. Angestoßen durch den Kauf eines wunderschönen Instruments aus dem Jahr 1725 widmet sie sich seit 2015 der umfassenden Wiedererweckung des italienischen Salterios auf künstlerischer und wissenschaftlicher Ebene. Sie dissertiert zu diesem Thema unter Ton Koopman, hält international Vorträge und gastiert mit ihrem Salterio und ihrem Ensemble Il Dolce Conforto auf Europas Konzertbühnen. Wichtige Impuls erhielt sie von ihren Lehrern Karl-Heinz Schickhaus, Rudi Lutz und Hopkinson Smith sowie aus der Welt der zeitgenössischen Musik, der sie viele Jahre angehörte. Ihr ist besonders Klangfarbenreichtum und ein sprechendes Musizieren wichtig. Franziska lebt mit ihrer Familie in Mondsee.
www.salterio.at

Als Mitglied und Konzertmeister der Akademie für Alte Musik Berlin und künstlerischer Leiter anderer Ensembles ist Georg Kallweit heute längst zum vielgefragten Spezialisten seines Fachs avanciert. Dabei nehmen das solistische Repertoire und die Ensembleleitung einen besonderen Stellenwert ein. Er arbeitet regelmäßig mit renommierten Barockorchestern sowie mit modernen Klangkörpern zusammen. Es liegen über sechzig mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnete CD-Einspielungen vor, darunter Aufnahmen mit Violinkonzerten bei Harmonia Mundi France sowie Kammer- und Solomusik bei den Labels Alpha, Raumklang u.a. Seine rege internationale Konzerttätigkeit führte ihn in die etabliertesten Konzertsäle rund um den Erdball. Als Dozent unterrichtete Georg u.a. an den Musikhochschulen in Leipzig, Weimar und Helsinki.

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