Pocket Partsongs

Von schlichter Schönheit in intimer Besetzung

Clare Wilkinson – Mezzosopran
Gabriel Crouch – Bariton
Jacob Heringman – Laute

The Mulliner Book und Psalms, Sonnets and Songs of Sadness and Pietie – zwei der wohl bedeutendsten Sammlungen englischer Musik des 16. Jahrhunderts. Erstere wurde vermutlich in der Zeit zwischen 1545 und 1570 von Thomas Mulliner herausgegeben, über den nicht viel mehr bekannt ist, als dass er 1563 als modulator organorum – Organist – am Corpus Christi College in Oxford tätig war. In ihr finden sich 121 Stücke in Bearbeitungen für Orgel und Virginal, von denen mehr als die Hälfte auf Musik zur Verwendung in der katholischen Liturgie basieren, die übrigen darin enthaltenen Werke sind zumeist Transkriptionen mehrstimmiger Songs und Anthems, ca. 20 davon weltlichen Ursprungs. Unter den 16 als Urheber der Stücke überlieferten Komponisten finden sich die Namen von einigen der bedeutendsten jener Zeit, darunter T. Tallis, J. Redford, J. Blitheman, J. Taverner und C. Tye.

Psalms, Sonnets and Songs of Sadness and Pietie wurde von William Byrd 1588 erstmals veröffentlicht und besteht zum überwiegenden Teil aus Consort-Songs, die der Komponist – wohl geleitet von seinem Geschäftssinn – in mehrstimmige Vokalstücke umarrangierte. Ursprünglich waren Consort-Songs für eine hohe Solo-Stimme, begleitet von zumeist vier Instrumenten (gewöhnlich Gamben), geschrieben worden. Byrd bearbeitete die Stücke in der Weise, dass er die Instrumente durch menschliche Stimmen ersetzte, diese mit Text versah und der ursprünglichen Solo-Stimme die Funktion der Hauptstimme zuordnete. Ganz im Gegensatz zur von Byrd gemeinsam mit T. Tallis 1575 herausgegebenen Sammlung Cantiones quae ab argumento sacrae vocantur (1575), deren Veröffentlichung nur deshalb nicht zum finanziellen Ruin der beiden führte, weil Queen Elizabeth I. Geld nachschoss, war Psalms, Sonnets and Songs of Sadness and Pietie von Anfang an höchst erfolgreich, was sich auch daran erkennen lässt, dass noch im selben Jahr zwei weitere Auflagen des Druckwerkes erschienen.

Doch nicht nur die beiden beschriebenen Sammlungen aus einer der ergiebigsten Epochen der englischen Musikgeschichte stehen im Mittelpunkt dieses Programmes. Wir hören auch Werke aus dem frühen 20. Jahrhundert, einer Periode, die zuweilen als English Musical Renaissance Erwähnung findet und in der britische Komponisten sich zunehmend von europäischen Einflüssen befreiten, um schließlich zu einem unverwechselbaren nationalen Schreibstil zu finden.

Der musikalische Brückenschlag in die Gegenwart gelingt mit Musik aus der Feder des Briten Peter Pope (1917-1991) sowie mit Werken, die eigens für die ausführenden Künstler dieses Abends geschrieben wurden. Komponist dieser Stücke ist niemand Geringerer als Clares 1919 geborener Vater Stephen Wilkinson, der unser Publikum bereits bei der trigonale 2014 als Rezitator von Texten A. Boleyns, W. Byrds u.a. begeisterte.

Wenn sich Clare, Gabriel und Jacob der Musik verschiedener Epochen und Komponisten zuwenden, so lassen sie uns nicht nur teilhaben an einem überaus intimen Dialog dreier kontrapunktischer Stimmen, sie bringen auch all das zum Vorschein, was uns in seiner schlichten Schönheit wieder und wieder zu berühren vermag: Melodie und Harmonie.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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