10 | SALON PARISIEN

Musik für Klavier, Harfe und Gitarre aus den Pariser Salons des 19. Jahrhunderts

Samstag, 14. September | 19 Uhr
Rathaus St. Veit/Glan

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FRANCESCA BENETTI – romantische Gitarre
SHARON PRUSHANSKY – Hammerflügel
TANJA VOGRIN – romantische Harfe, Sopran

Die Julirevolution von 1830 (Les Trois Glorieuses) führte in Frankreich zum endgültigen Sturz der Bourbonen, und mit Louis Philippe von Orléans kam ein Herrscher auf den Thron, unter dessen Regentschaft das französische Bürgertum ein goldenes Zeitalter erleben sollte. Es war wohl auch die Verbreitung liberaler Ideen, die Paris bald zu einem Zufluchtsort für Künstler aus aller Welt werden ließ. Hier entstanden zu dieser Zeit u.a. die Opéra Comique und das Théâtre-Italien. Die Stadt wurde schnell zur Wiege einer neuen Generation europäischer Musiker, sie wurde zur lebendigen »confrérie romantique«, in der Komponisten und Virtuosen wie Rossini, Bellini und Paganini arbeiteten und auftraten.
Die Anwesenheit vieler renommierter Größen der Klaviermusik wie Liszt, Hiller, Thalberg – und natürlich Chopin – bescherte der Stadt gar den Beinamen Pianopolis. Großer Beliebtheit erfreuten sich in dieser Zeit auch die privaten Salons, in denen sich eine überschaubare Gruppe aus Kulturenthusiasten zusammenfand, um ihrer gemeinsamen Leidenschaft – der Musik – zu frönen, zu diskutieren und sich zu amüsieren. Nicht selten waren es Frauen, die Salonières, die als Gastgeberinnen eine aktive Rolle in der Gesellschaft einnahmen, die Gäste sorgfältig auswählten und auch die Themen bestimmten, über die zwischen den musikalischen Darbietungen gesprochen wurde. Viele Frauen verstanden es aber auch, die Salons zum Erwerb einer höheren Bildung zu nutzen, boten diese doch geradezu ideale Voraussetzungen, um sich an der intellektuellen Auseinandersetzung in literarischen, musikalischen oder politischen Belangen zu beteiligen. Überdies konnten Frauen in den Salons auch als Musikerinnen – zumeist solistisch – in Erscheinung treten.

Kein Komponist wird häufiger mit der Musik der Pariser Salons in Verbindung gebracht als Frédéric Chopin (1810-1849). Chopin, der die letzten 18 Jahre seines Lebens in der Stadt an der Seine verbrachte, schätzte zeitlebens das Musizieren im privaten Rahmen der Salons und trat nur ungern in öffentlichen Konzerthallen auf, was auch durch einen Ausspruch des Komponisten belegt ist: „Man kann kaum erwarten, sublime Musik in Konzerten zu hören.“
»Je ne suis point propre à donner des concerts, moi que le public intimide, je me sens asphyxié par ces haleines précipitées, paralysé par ces regards curieux, muet devant ces visages étrangers.«
»Ich bin gar nicht geeignet Konzerte zu geben, ich, den das Publikum ängstigt, ich fühle mich erstickt von diesem überstürzten Atem, gelähmt von diesen neugierigen Blicken, stumm vor diesen fremden Gesichtern.«
(Frédéric Chopin, aus: Franz Liszt, Chopin, Paris, Nouvel Office d’Édition, 1963)

Um sein Talent und seine Hingabe zu entfalten, brauchte Chopin ein intimeres Ambiente mit nur einer Handvoll Freunden als Publikum. Nichtsdestotrotz fand sowohl sein erstes (1832) als auch sein letztes öffentliches Konzert (1848) in der Salle Pleyel in Paris statt, wobei die rund 300 Zuhörer fast ausnahmslos zum Freundes- und Bekanntenkreis des Künstlers zählten.
Bereits um das Jahr 1810 wurde Paris zur Hauptstadt der Gitarrenmusik. Das war vor allem der Arbeit des Gitarrenbauers René François Lacôte (1785-1855) zu verdanken, einem der einflussreichsten Vertreter seiner Zunft im 19. Jahrhundert, stand aber auch im Zusammenhang mit dem Erscheinen des ersten Magazins über die Gitarre, des Journal de musique étrangère pour la guitar. Auch der in ganz Europa äußerst berühmte spanische Gitarrist Fernando Sor (1778-1839) spielte eine bedeutende Rolle in der Pariser Gitarrenszene. Seine Kompositionen haben das Repertoire dieses Instruments maßgeblich erweitert.
Ein Landsmann Sors, der Komponist und Gitarrist Francisco de Asís Tárrega (1852-1909), nutzte wiederum sein weitreichendes Wissen über Klaviermusik und bearbeitete viele Klavierstücke für die Gitarre, darunter zahlreiche Werke Beethovens, Chopins, Mendelssohns u.a. In der Musik der französischen Barock-Ära fand die Harfe nicht unbedingt viel Beachtung, jedoch leitete Marie Antoinette einen neuen Trend ein, indem sie ihre Einfachpedalharfe aus Wien mit an den französischen Hof brachte. Das Instrument erlebte in der Folge eine unerwartete Renaissance und Paris entwickelte sich schnell zum Zentrum für Harfenmusik. Einer der bedeutendsten Harfenspieler und Komponisten für dieses Instrument war Théodore François Joseph Labarre (1805-1870), der in Paris und London lebte. Er komponierte vor allem Opern und Ballettmusik, darüber hinaus Stücke für die Einfachpedalharfe als Soloinstrument oder Teil eines Kammerorchesters.
Auch für die Duobesetzung aus Harfe und Klavier begeisterte man sich zu dieser Zeit. Als herausragendes Beispiel dafür bringen uns Tanja und Sharon das Königin Victoria von England gewidmete Grand duo du couronnement (Herz/Labarre, 1839) zu Gehör, ein in heutigen Konzertprogrammen leider allzu selten erklingendes musikalisches Juwel.

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ÜBER DIE KÜNSTLER

Die Gitarristin und Theorbistin Francesca Benetti, das Coverface der trigonale 2019, stammt aus Trento, Italien. Ihr klassisches Gitarrenstudium absolvierte sie mit ausgezeichnetem Erfolg bei F. Baldissera am Konservatorium in Venedig. Im Anschluss daran setzte sie ihr Studium an der Hochschule der Künste Bern in der Klasse von E. Cásoli fort, spezialisierte sich auf zeitgenössische Musik und schloss mit einem Masterdiplom ab. Überdies nahm sie an verschiedenen Meisterklassen teil, u.a. bei A. Diaz, E. Segre, O. Ghiglia und X. Diaz La Torre. Ihr Interesse an Alter Musik und historischer Aufführungspraxis führten Francesca schließlich zur Theorbe und in der Folge nach Basel, wo sie von 2012 bis 2014 bei P. Croton an der Schola Cantorum studierte. Als Solistin und Kammermusikerin war sie mit vielen namhaften Ensembles sowie auf zahlreichen Festivals in ganz Europa zu erleben, zudem konnte sie als Orchestermusikerin wertvolle Erfahrungen im Continuo-Spiel machen. Francesca ist Gründungsmitglied der Formation Concerto di Margherita.                           www.concertodimargherita.com

Sharon Prushansky wurde in Israel geboren und lebt seit 2009 in der Schweiz. Sie ist eine vielseitige Musikerin und gibt regelmäßig Konzerte als Organistin, Cembalistin sowie als Pianistin auf modernem Flügel oder historischem Hammerklavier. Ihr Repertoire reicht vom frühen 17. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischer Musik. Sharon spielte als Solistin Solokonzerte in der Schweiz, in Deutschland, in Österreich, in Italien und in Israel. Sie studierte an der Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv, an welcher sie 2009 sowohl ihr Orgel- wie auch ihr Klavierstudium mit dem Bachelordiplom abschloss. In der Folge studierte sie an der Schola Cantorum in Basel bei J. Christensen und erlangte ihre Abschlüsse in Cembalo (2012) und Hammerklavier (2014) jeweils mit ausgezeichnetem Erfolg. Im Juni 2016 folgte dann ein weiterer Abschluss mit Auszeichnung – Hammerklavier bei E. Torbianelli.       www.sharonprushansky.com

Die slowenische Mezzosopranistin und Harfenistin Tanja Vogrin studierte Gesang und klassische Harfe in Slowenien und Österreich. 2009 schloss sie mit Auszeichnung ihr Masterstudium in Konzertgesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz ab. Aus Liebe zur Alten Musik beschäftigt sie sich mit historischen Harfen und vorklassischen Gesangstechniken und begleitet sich auch selbst an der Harfe. Ihre Interessen führten sie nach Basel, wo sie an der Schola Cantorum Masterstudien in Barockharfe, mittelalterlichem Gesang und Advanced Vocal Ensemble Studies absolvierte. Nicht nur aufgrund ihrer solistischen Tätigkeit, sondern auch dank ihrer Zusammenarbeit mit diversen Ensembles, hat sie stets einen vollen Auftrittskalender. Tanja ist seit April 2016 als Lehrende im Fachbereich für Alte Musik am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium in Graz tätig.

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