03 | ATALANTE MIGLIOROTTI

Im Duo mit da Vinci

Freitag, 6. September | 19 Uhr
Rathaus St. Veit/Glan

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SOLLAZZO ENSEMBLE
PERINNE DEVILLERS – Sopran
FRANCISCO MAÑALICH – Tenor
ROMAIN BOCKLER – Bass
CHRISTOPH SOMMER – Laute
ANNA DANILEVSKAIA – Vihuela de Arco & Leitung

Als Leonardo da Vinci sich 1482 nach Mailand begab, um dort in den Dienst von Ludovico Sforza zu treten, reiste er nicht alleine. Atalante Migliorotti (1466-1532) hieß jener junge Mann, der seinem ehemaligen Lehrer nunmehr als Assistent zur Seite stand und ihn in die lombardische Metropole begleitete. Wie sein Meister zeichnete sich auch dieser durch eine unglaubliche Vielseitigkeit aus und betätigte sich erfolgreich in den verschiedensten Bereichen, den überwiegenden Teil seines Lebens widmete er allerdings der Musik – als Instrumentenbauer, Lauten- und Lyraspieler, vor allem jedoch als Sänger.
Weiters ist uns überliefert, dass er 1491 auf persönlichen Wunsch von Isabella d‘Este, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der italienischen Renaissance und unter Zeitgenossen oftmals als La prima donna del mondo tituliert, in einer Vertonung von Angelo Polizianos lyrischem Drama Favola di Orfeo die Rolle des Titelhelden übernahm. Isabella sollte in der Folge auch mehrere Instrumente bei ihm in Auftrag geben, die er für den Hof ihres Gemahls Francesco II. Gonzaga in Mantua anfertigte. Und wissen wir darüber hinaus auch nicht viel mehr über sein Leben, können wir uns Atalante Migliorotti doch als erfolgreichen Musiker vorstellen, der mit Leonardo da Vinci musizierte und mit den bedeutendsten Kollegen seiner Zeit in Kontakt stand und zusammenarbeitete. So wurde er zum Zeugen und Akteur einer Epoche, in der Tradition und Innovation miteinander verschmolzen. Denn neben der noch immer sehr populären frankoflämischen Musik erfreute sich der neu aufkommende Frottole-Stil – eine vierstimmige, schlichte Liedform, aus der sich später das Madrigal entwickeln sollte – zunehmender Beliebtheit.
Ein Abend, wie er auch um 1600 am Hofe der Gonzaga stattgefunden haben könnte.
Wir hören Werke der Komponisten Marchetto Cara (1475-1525), Bartolomeo Tromboncino (1470-1535), Bartolomeo degli Organi (1474-1539) u.a.

ÜBER DIE KÜNSTLER

Das Sollazzo Ensemble entstand 2014 in Basel und vereint Musiker mit Affinität zu den Repertoires des späten Mittelalters und der frühen Renaissance. Es wird von der Fidel-Spielerin Anna Danilevskaia geleitet und profitiert vom vielseitigen musikalischen Hintergrund seiner Mitglieder. Einige von ihnen stammen aus dem Umfeld der Alten Musik, andere fanden ihre Berufung über die moderne klassische Musik, das Theater oder sogar das Musical und genossen Ausbildungen an Institutionen, die für ihre Spezialisierung auf Alte Musik berühmt sind, unter ihnen die Schola Cantorum Basiliensis, das ESMUC in Barcelona oder das CNSM in Paris, wo sich ihnen vielfältige Wege und Möglichkeiten der Annäherung an das mittelalterliche Repertoire eröffneten. Der stete Strom aus Ideen und Einflüssen prägte sie, bevor sie gemeinsam ihren eigenständigen Weg zur Fortsetzung ihrer Arbeit einschlugen. Neben seiner Konzerttätigkeit arbeitete das Ensemble mit der italienischen Fondazione Franceschini (Florenz) und der Fondazione Cini (Venedig) im Kontext internationaler Seminare und Symposien zusammen, die Musikwissenschaftler, Philologen und Spezialisten für das italienische mittelalterliche Musikrepertoire zusammenbringen.
www.sollazzoensemble.com

Die auf Alte Musik spezialisierte Sopranistin Perrine Devillers studiert derzeit Gesang an der Schola Cantorum Basiliensis. Sie tritt als Solo-Sopranistin sowie als Kammermusikerin und Choristin auf. Durch ihre frühere instrumentale Ausbildung als Klarinettistin verfügt sie über eine große Flexibilität bei der Interpretation von Werken, die vom mittelalterlichen bis zum zeitgenössischen Repertoire reichen. Sie tritt in ganz Europa mit Ensembles wie Pygmalion, Profeti della Quinta, La Cetra oder Musica Fiorita auf. In den letzten Jahren war sie an der Gründung einiger neuer Ensembles in Basel beteiligt: Novantik Project Basel (mit Begeisterung für Alte und Neue Musik), Duvinsela (Renaissance und frühes Barock; Duvinsela erhielt den ersten Preis beim Biagio-Marini-Wettbewerb 2014 und wird demnächst eine CD für das Label Flora einspielen) sowie Sollazzo (französische und italienische Musik des 14. und 15. Jahrhunderts).

Francisco Mañalich wurde in Chile geboren und seine Jugend war geprägt von Rockkultur. Die Viola da gamba und die Oper erweckten erst im Alter von zwanzig Jahren seine Aufmerksamkeit. Er verliebte sich in beide und zog in der Folge nach Paris, wo er an der Sorbonne auch tief in die Geheimnisse der mittelalterlichen Musik eintauchte. Später studierte er beim Gambisten Christophe Coin am Conservatoire de Paris und erforschte unter der Anleitung von Christine Schweitzer Tenorrollen von Mozart bis Verdi. Francisco singt und spielt heute mit renommierten Ensembles der Alten Musik und wirkt an vielen Opernproduktionen in ganz Europa mit. Er begleitet sich auch selbst auf der Viola da gamba, die er im Stehen spielt, womit er eine beinahe in Vergessenheit geratene Praxis aus dem Barock wiederbelebt.

Nach seinem  Abschluss am Nationalkonservatorium von Lyon – mit summa cum laude – wurde Romain Bockler in der Saison 2015/16 in das Opernstudio der Nationaloper von Lyon aufgenommen und führte seine Studien bei Cécile de Boever, Rosa Dominguez und Margreet Honig fort. Er tritt regelmäßig mit Ensembles wie Le Concert Spirituel (Hervé Niquet), Ensemble Jacques Moderne (Joël Suhubiette), Orchestre d’Auvergne (Roberto Fores-Veses), Concerto Soave (Jean-Marc Aymes) und dem Ensemble La Fenice (Jean Tubery) auf, wobei sich sein weitgefächertes Repertoire von Werken des Barock bis zu zeitgenössischer Musik spannt. Als ein begeisterter Fan von Renaissancemusik liebt er die Zusammenarbeit mit kleineren spezialisierten Ensembles wie dem Huelgas-Ensemble, Diabolus in Musica, Doulce Mémoire, Perspectives, La Main Harmonique und der Weser Renaissance Bremen, mit denen er bereits zahlreiche CD-Einspielungen realisiert hat. Romain besitzt außerdem einen Abschluss in Ingenieurwissenschaften und einen Master-Abschluss in Akustik.

Christoph Sommer wurde in Mitteldeutschland bei Lutherstadt Wittenberg in ein musikalisches Elternhaus geboren. Als Kind von Musiklehrern und praktizierenden Musikern kam er täglich mit klassischer aber auch folkloristischer Musik in Berührung und erlernte in dieser Umgebung früh das Klavierspiel. Vom Vater übernahm er zudem begeistert das in seinem Heimatdorf beliebte Spiel auf dem Akkordeon. Noch im Schulalter kam es zum Wechsel vom Klavier zur Gitarre. Hier wurde sehr schnell seine Vorliebe zum frühen Repertoire deutlich. Sein Lehrer inspirierte ihn dazu, die Musik der Renaissance auf dem Originalinstrument – der Laute – zu spielen. Zusammen spielten sie nun zweistimmig Musik von J. Desprez. Dieses musikalische Erlebnis war für den jungen Christoph eine völlig neue und begeisternde Erfahrung, die von nun an seinen weiteren Lebensweg prägen sollte. Nach der Schule folgte das Bachelor- sowie Masterstudium für Alte Musik am Koninklijk Conservatorium in Den Haag, überdies nahm er an zahlreichen Meisterkursen teil, sammelte Erfahrung in Aufführungspraxis in der Barock- und Renaissancemusik und gibt heute sein Wissen und Können in Konzerten weiter.

Anna Danilevskaia spielt Fidel und Renaissance-Viola da Gamba und hat sich auf die Repertoires vom 14. bis zum 17. Jahrhundert spezialisiert. Als Fünfzehnjährige entdeckte sie die Fidel und später die Viola da gamba für sich. Sie studierte bei P. Memelsdorff in Barcelona sowie bei P. Hamon in Lyon und setzt ihre Ausbildung derzeit bei P. Pandolfo an der Schola Cantorum in Basel fort. Anna ist Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe und wurde zu den jährlichen Seminaren für Alte Musik der Fondazione Cini in Venedig eingeladen. 2014 erhielt sie gemeinsam mit dem Ensemble Duvinsela mit einem Programm italienischer Musik aus dem 17. Jahrhundert den ersten Preis des Biagio-Marina-Kammermusikwettbewerbes. Anna arbeitet mit Spezialisten-Ensembles wie Graindelavoix oder Currentes zusammen, mit denen sie durch Europa tourt und Einspielungen für verschiedene Labels realisiert. Dabei ist sie als Begleiterin wie als Solistin zu hören. 2014 gründete sie das Ensemble Sollazzo, in dem sie erstmals selbst die musikalische Leitung innehat.

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