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Squadra Notturna
Ein musikalisches Netzwerk

Über das Leben des schottischen Komponisten und Meisters im Gambenspiel Tobias Hume (um 1569 – 1645) ist uns wenig bekannt. Möglicherweise verdiente er seinen Lebensunterhalt als Söldner in russischen und schwedischen Heeren. Was wir allerdings wissen, ist, dass er mit John Dowland einen langjährigen Streit darüber führte, welches Ins-trument sich wohl besser zum Zusammenspiel mit der menschlichen Stimme eigne: die Laute oder die Viola da gamba.

Der Italiener Bellerofonte Castaldi (um 1580 – 1649) verbrachte einen Großteil seines Lebens damit, sich dem kunstinteressierten Müßiggang hinzugeben, und wurde nicht nur für sein virtuoses Theorbenspiel, seine Sangeskunst und seine Kompositionen geschätzt, sondern auch für seine kontroversen und satirischen Gedichte, in denen er zuweilen den Bogen wohl etwas überspannte: Wegen seiner Scharfzüngigkeit verbannte ihn Papst Paul V. dereinst aus Rom.

Bereits zu seinen Lebzeiten wurde Girolamo Frescobaldi (1583 – 1643) als »il primo grande indipen- dentista« – wahrer Trendsetter – unter den Komponisten und Interpreten von Musik für Tasteninstrumente gefeiert. Seine Musik beeinflusste bis weit in das 18. Jahrhundert hinein das Schaffen berühmter Kollegen innerhalb und außerhalb Italiens. So entnehmen wir historischen Quellen beispielsweise, J. S. Bach habe die Werke Frescobaldis »geliebt und studirt«.

Als Henry Purcell (1659 – 1695) im Alter von nur 36 Jahren allzu früh verschied, erklang zu seiner Beerdigung die von ihm zuvor für das Begräbnis von Queen Mary II. geschriebene Musik und man entschied, ihn in einem Ehrengrab in der Westminster Abbey – in unmittelbarer Nähe der Orgel – zu bestatten. Die Bewunderung für ihn und seine Musik war so groß, dass ihm bereits zu Lebzeiten ehrenhalber der Titel »Orpheus Britannicus« verliehen wurde.

Vier Komponisten – vier Leben. Doch eines eint sie in jedem Fall: Sie alle haben uns Musik hinterlassen, die schon zur Zeit ihrer Entstehung Menschen zutiefst zu berühren vermochte. Musik, die nun – mehr als 300 Jahre danach – die Grundlage für ein musikalisches Projekt bildet, in dem vier herausragende junge Künstler die unzähligen Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Instrumente auf meisterhafte Art und Weise zu nutzen wissen. Ausgehend von einfachen Melodien gelingt ihnen das Spinnen und Entwickeln eines farbenreichen Klangnetzes, in das sie nicht nur die Werke Alter Meister einflechten, sondern auch die trigonale 2014-Auftragskomposition aus der Feder des deutsch-österreichischen Komponisten Tristan Schulze.

Jadran Duncumb – Laute & Theorbe
Karin Hageneder – Flöten
Jenny Högström – Sopran
Pia Pircher – Viola da gamba

Jadran Duncumb wurde 1989 im nordenglischen Sheffield geboren und begann mit acht Jahren Gitarre zu spielen. 1999 zog er nach Norwegen und wurde 2002 in die Sektion für junge Talente am Barratt Due Musikinstitut aufgenommen, wo er bei Vegard Lund Gitarre studierte. Er erhielt Gitarrenunterricht bei Prof. Sven Lundestad an der norwegischen Akademie der Musik. Beim Wettbewerb Norwegian Music Competitions for Youth gewann er den ersten Preis sowohl in der Klasse Gitarre als auch in der Kategorie ‘Duo’ gemeinsam mit seinem Bruder, dem Pianisten Emil Duncumb. 2010 war Jadran Finalist bei Virtuos, einem Konzertwettbewerb des norwegischen Fernsehens, beim Wettbewerb BBC Young Musician of the Year gewann er den ersten Preis in der Kategorie Saiteninstrumente. Diese Erfolge führten zu Soloauftritten mit führenden Orchestern und Konzerten in ganz Europa. Bei der trigonale war Jadran bereits zweimal zu Gast und wirkte 2009 und 2011 in verschiedenen Projekten mit. Als Kammermusiker spielt er regelmäßig im Duo mit seinem Bruder Emil. Im Mittelpunkt ihrer Programme stehen oft das umfangreiche Sonatenrepertoire sowie Orchester- und Opernbearbeitungen für diese Besetzung aus dem Wien des frühen 19. Jahrhunderts. Die beiden Brüder sind auch Mitglieder des Ensembles Pocket Symphony, dessen Ziel es ist, die Tradition der Aufführung klassischer Sinfonien und Ouvertüren in kleiner kammermusikalischer Besetzung und in informellem Rahmen wieder aufleben zu lassen. Jadran ist ebenso gefragt als Continuospieler auf der Laute und Theorbe und spielt als solcher in Barockopern, in C. Monteverdis Marienvesper (bei den BBC Proms) oder als Liedbegleiter. Er ist Mitglied des Ensemble Amaranthos und spielt oft mit der Geigerin Kinga Ujsjaszi und den Gambistinnen Pia Pircher und Claire Bracher zusammen, mit Letzterer im Duo Labyrinthe. Auf der Barocklaute gibt er Duorezitals mit dem Geiger Johannes Pramsohler, mit welchem er auch die Einspielung einer CD mit hochbarocker Musik von J. S. Bach und S. L. Weiss plant. Nach dem Studium der Gitarre (bei Gary Ryan) und der Laute (bei Jakob Lindberg) am Royal College of Music in London schloss er 2014 sein Masterstudium in Alter Musik an der Hochschule für Musik Trossingen bei Prof. Rolf Lislevand ab. Wenn Jadran gerade nicht damit beschäftigt ist, eines seiner zahlreichen Zupfinstrumente zu stimmen, spielt er Gambe (mit wechselndem Erfolg) oder Fußball (stets ohne Erfolg*). *außer beim Trossinger Hallenfußballturnier 2013

Karin Hageneder wurde 1987 in Pettenbach, Österreich, geboren. Vor ihrem Studium lernte sie in Musikschulen bei Christa Anleitner-Obergruber Querflöte und bei Petra Holl und Jacqueline Clemens Blockflöte. Sie studierte an der Anton Bruckner-Privatuniversität in Linz bei Prof. Michael Oman und Prof. Helmut Trawöger, wo sie im Juni 2009 beide Instrumente mit dem Bachelor of Art mit Auszeichnung abschloss. 2006 – 07 studierte sie an der gleichen Universität Traversflöte bei Claire Genewein. Seit September 2009 studiert sie Blockflöte am Conservatorium van Amsterdam bei Paul Leenhouts, Erik Bosgraaf, Jorge Isaac und Daniël Brüggen (Blockflöte) und bei Harrie Starreveld (Querflöte). Als Solistin und Ensemblemitglied gewann Karin in Wettbewerben (u.a. Prima la Musica) 1. Preise. 2005 führte sie im Zuge vom Preisträgerkonzert Prima la Musica im Großen Saal im Brucknerhaus Linz ein Solostück auf. Karin ist temporäres und fixes Mitglied von diversen Ensembles und Bands. Sie erwarb Erfahrungen durch verschiedene Workshops und Projekte in symphonischen und barocken Orchestern, z.B. Oberösterreichisches Jugendsinfonieorchester, Quadriga Consort, Austrian Baroque Company sowie bei Konzerttourneen in Europa und Australien, Solokonzerten und bei CD-Aufnahmen mit der Harfenistin Angela Stummer und dem Ensemble The Royal Wind Music, dessen Mitglied sie von 2009 bis 2012 war. Im Jahr 2010 war sie Talent in Residence bei der trigonale, 2012 trat sie abermals im Rahmen der trigonale auf. Karin lebt seit 2012 als freischaffende Musikerin in Wien.

Jenny Högström, Sopran, wurde in Luleå in Schweden geboren. Ihren Bachelor mit Hauptfach Gesang absolvierte sie 2010 an der schwedischen Musikakademie in Piteå. 2012 schloss sie das Studium an der Schola Cantorum Basiliensis unter Prof. Ulrich Messthaler mit einem Master of Arts in Alter Musik ab. Zurzeit setzt sie den Master in Musikpädagogik fort. Während des Studiums besuchte sie zahlreiche Meisterkurse, unter anderem bei Andreas Scholl, Margreet Honig, Alessandro De Marchi, Birgitta Svendén und Barbro Marklund. Jenny tritt regelmäßig als Solistin mit verschiede- nen Kammermusikensembles in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Schweden auf und ist Mitglied in mehreren professionellen Vokalensembles wie La Cetra Vocalensemble, Zürcher Sing-Akademie, Origen Ensemble Vokal und English Voices. Solistisch zu hören war sie z.B. in der Rolle der Vagaus in Vivaldis Oratorium Juditha Triumphans (2011) und in der Produktion von Purcells The Fairy Queen (2012) am Theater Basel, beide unter der Leitung von Andrea Marcon. Im Jahr 2012 sang sie die Rolle der Asprano von Vivaldis Oper Montezuma unter der Leitung von Michael Form. Außerdem hatte sie die Gelegenheit, mit dem international renommierten Dirigenten Hervé Niquet im Projekt Le Grand Siecle (2012) an der Schola Cantorum Basiliensis zusammenzuarbeiten. In der Konzertsaison 2014 ist Jenny als Solistin unter anderem in Basel in Händels Messiah unter der Leitung von Federico Sepúlveda, in Amsterdam in Monteverdis Vespro di Natale unter der Leitung von Andrea Marcon, in Basel in Solokantaten von Stradella in Zusammenarbeit mit René Jacobs und in ihrer Heimatstadt Luleå mit einem Mozart-Programm zusammen mit dem Norrbotten Symphony Orchestra zu hören.   www.jennyhogstrom.com

Pia Pircher, geboren 1988 in Wien, ist zur Zeit Leverhulme Postgraduate Scholar am Royal College of Music in London. Überdies führt sie am Mozarteum Salzburg, wo sie ihr Masterstudium bei Prof. Vittorio Ghielmi mit Auszeichnung abschloss, ein Forschungsprojekt zur Gambenmusik im späten 18. Jahrhundert durch. Pia gewann zahlreiche Preise in Wettbewerben, unter anderem den ersten Preis des 11. Biagio Marini Wettbewerbs und den fünften Preis des 5. Internationalen Bach-Abel Wettbewerbs für Viola da gamba. Sie konzertierte mit zahlreichen Ensembles wie Le Concert des Nations, der English Touring Opera, Armonico Tributo Austria, der Staatskapelle Dresden und MusikerInnen wie Dorothee Oberlinger, Hiro Kurosaki, Jordi Savall, Reinhard Goebel und Vittorio Ghielmi. Einladungen führten sie als Solistin und Kammermusikerin zu Festivals und Konzerten an die Semperoper Dresden, zu den Aroldser Barock-Festspielen, in die Royal Albert Hall und zum Handel Festival nach London. Neben der Aufführung kaum gespielter Literatur für ihr Instrument liegt Pia sehr viel an der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten, um dadurch der Viola da gamba auch in der gegenwärtigen Musiklandschaft Bedeutung zu verleihen.   www.piapircher.com