hero_clari

The Lion and the Rose
Henry VIII (1491 – 1547) und seine Tochter Elizabeth I (1533 – 1603)

Mutig und flammenhaarig waren sie – Englands Löwe und sein »lion’s cub»*, wie Elizabeth sich selbst zu nennen pflegte. Beide verteidigten mit blutiger Entschlossenheit ihr Land und ihren Thron. Beide erschütterten das religiöse England in seinen Grundfesten: Henry durch die Abspaltung von Rom, verbunden mit der Gründung der anglikanischen Kirche; Elizabeth mit ihrer anfänglichen Toleranz den Katholiken gegenüber, die aber spätestens mit dem Aufkommen von Verschwörungsplänen gegen sie selbst in ihr Gegenteil umschlug.

Doch waren es auch Henry und Elizabeth, die nicht nur versierte Musiker waren, sondern auch als hingebungsvolle Gönner der Künste auftraten und das goldene Zeitalter der englischen Renaissance, welches mit einem enormen Aufblühen von Dichtung und Musik verbunden war, einläuteten.

Beide – Vater und Tochter – verwendeten die Tudor Rose als ihr Emblem. Diese steht nicht nur für die friedvolle Vereinigung der Häuser York und Lancaster nach der Schlacht von Bosworth 1485, sondern auch für die Blütezeit und neue Größe, zu der England während der Regentschaft von Henry und Elizabeth heranwuchs. *Raubtierjunges

Neben Liebesliedern von Henry VIII. für Elizabeths Mutter Anne Boleyn – geschrieben lange bevor er selbige des mehrfachen Ehebruchs bezichtigte und hinrichten ließ – erwarten uns auf dieser musikalisch-literarischen Reise durch das England des 16. Jahrhunderts unter anderem Kompositionen des »Orpheus Britannicus« John Dowland und Texte aus der Feder von William Shakespeare, »England’s national poet«.

Gawain Glenton – Zink
Jacob Heringman – Laute
Kirsty Whatley – Harfen
Clare Wilkinson – Mezzosopran
Stephen Wilkinson – Rezitation

Anstatt jene Instrumente zu wählen, die von ihm, Spross einer Musikerfamilie, zu spielen erwartet wurde, wandte sich der jugendliche Gawain Glenton lieber anderen zu: Blockflöte statt Violine, Gitarre statt Klavier und beinahe jedes andere Instrument lieber als Fagott. Nachdem er beinahe alle Instrumente durch hatte, kaufte sich Gawain einen Zink und überraschte jedermann – sich selbst eingeschlossen – indem er nie wieder davon abließ. Mittlerweile zählt er zu den besten Zinkenisten weltweit. Nachdem er ein Musikdiplom an der Universität Manchester abgeschlossen hatte, wandte er sich an die Schola Cantorum Basiliensis, um bei Bruce Dickey zu studieren, was besonders durch die großzügige Unterstützung durch die Stiftung The Leverhulme Trust ermöglicht wurde. Gawain ist nun größtenteils damit beschäftigt, mit führenden Interpreten von Barock- und Renaissancemusik auf den Konzertbühnen Europas aufzutreten. Die Liste der Ensembles, mit denen Gawain zusammenarbeitet, ist lang und liest sich wie das Who is Who der Alte Musik-Szene: Il Giardino Armonico, The Amsterdam Baroque Orchestra (Ton Koopman), Collegium Vocale (Philippe Herreweghe), Concerto Palatino, l’Arpeggiata (Christina Pluhar), Les Talens Lyriques (Christophe Rousset), Capriccio Stravagante (Skip Sempé), The Taverner Consort (Andrew Parrott), Cantus Cölln (Konrad Junghänel), The Academy of Ancient Music, Barokksolistene, The Orchestra of the Age of Enlightenment, Musica Amphion, die Nederlandse Bachvereniging, The City Musick, I Fagiolini, The Gonzaga Band und La Nuova Musica. Er ist außerdem Mitglied des English Cornett & Sackbut Ensembles. Gawains Erfahrung auf dem Gebiet der Verzierungen in der Alten Musik macht ihn auch zu einem gefragten Coach für Sänger und Instrumentalisten. Zwar fühlt er sich sehr in der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts zu Hause, dennoch bereitet es ihm große Freude, das Repertoire für sein Instrument zu erweitern, indem er immer wieder zeitgenössische Musik auf dem Zink spielt oder auch mit Musikern aus der Rock-, Pop- und Folkszene zusammenarbeitet.   www.gawainglenton.com

Der in den USA geborene Lautenist Jacob Heringman studierte bei Jakob Lindberg am Royal College of Music in London und später bei Pat O’Brien in New York. Seit 1987 lebt er in England, ist sehr gefragt als Solist und Ensemblemusiker und tritt regelmäßig in ganz Europa, Amerika und in Fernost auf. Zahlreiche Aufnahmen mit Musik des Mittelalters und der Renaissance mit führenden Sängern wie Emma Kirkby, Michael Chance, Barbara Bonney, Charles Daniels, Catherine King sowie mit Ensembles wie Fretwork, The New London Consort, Musicians of the Globe, The King’s Singers, Virelai und The Dufay Collective zeugen von seinem reichhaltigen Schaffen. Jacob wird für seine Auftritte und Aufnahmen, in denen er sich leidenschaftlich dem zu Unrecht vernachlässigten Repertoire der Renaissance widmet, von der Kritik allseits geschätzt und gelobt, wobei seine Soloaufnahmen mit Werken von A. Holborne und B. Bakfark sowie die CDs Jane Pickering’s Lute Book, The Siena Lute Book und The Art ofthe Lute Player besondere Erwähnung verdienen. Er unterrichtet Laute an den Universitäten in York und Newcastle sowie bei vielen internationalen Meisterkursen und ist zudem zertifizierter Alexander-Technik-Lehrer. Jacob wirkte als Lautenist bei etlichen Film-Soundtracks mit. Beispielhaft seien hier die Filme Harry Potter und der Gefan-gene von Askaban, Königreich der Himmel, Elizabeth: Das goldene Königreich, Ridley Scotts Robin Hood und Der Hobbit – Eine unerwartete Reise angeführt. In jüngster Vergangenheit arbeitete Jacob mit der französischen Dance-Company Système Castafiore zusammen, überdies war er an Projekten mit den Oudspielern Khyam Allami und Adel Salameh und dem Dowland-Projekt des Labels ECM beteiligt.  www.heringman.com

Die englische Harfenistin Kirsty Whatley studierte zunächst moderne Harfe bei Jeanette Bevan und später bei Eira Lynn Jones in Manchester. 2001 erhielt sie den Master’s Degree der Universität Manchester mit Auszeichnung.Während ihrer anschließenden Konzerttätigkeit wirkte sie erfolgreich in verschiedenen Projekten mit – u.a. mit dem Moskauer City Ballett – und spielte Uraufführungen für Solo-Pedalharfe des zeitgenössischen Komponisten Andrew Keeling. Ihr Interesse an Einsatzmöglichkeiten ihres Instruments führte sie schon bald zur Alten Musik. 2005 begann sie daher mit dem Studium der barocken Tripelharfe bei Heidrun Rosenzweig an der Schola Cantorum Basiliensis und konzertiert mittlerweile mit Ensembles wie dem Taverner Consort & Players, den BBC Singers, der English Touring Opera, La Nuova Musica, I Fagiolini, Tetraktys, dem Ensemble Gilles Binchois, Per Sonat und Le Miroir de Musique sowie im Bereich »Frühe Musik« mit einigen Ensembles, die sich an der Schola Cantorum Basiliensis formiert haben (Leones, Le Basile und das Ensemble in Echo, das sie mit dem Zinkenisten Gawain Glenton leitet). Ihre gotische Harfe ist ein von Simon Capp angefertigter Nachbau eines im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindlichen Instruments aus dem 16. Jahrhundert.   www.kirstywhatley.co.uk

Clare Wilkinsons Stimme, die von der Kritik als »tadellos, himmlisch und atemberaubend« beschrieben wird, musiziert in verschiedensten Besetzungen vom Barockorchester bis hin zu Gamben- und Vokalconsorts. Besonders gefragt ist sie als Bach-Interpretin. Sie wirkte in Aufführungen all seiner großen Werke als Altsolistin unter Sir John Eliot Gardiner mit, wobei das Konzert mit der Kantate BWV 170 – Vergnügte Ruh’, beliebte Seelenlust – im Köthener Spiegelsaal sowie die Aufführung der Matthäus-Passion in der Thomaskirche in Leipzig als Höhepunkte zu nennen sind. Zu ihren Bach-Aufnahmen zählen die CDs Welt Gute Nacht (J.E. Gardiner), die Johannes- und Matthäus-Passion (J. Butt), die Markus-Passion (M.A. Willens) und Trauer-Musik (A. Parrott – »Critics’ Choice«, The Gramophone). In den vergangenen Jahren arbeitete sie mit Dirigenten wie Jos van Veldhoven (Netherlands Bach Society), Richard Egarr (Academy of Ancient Music), Adàm Fischer (Scottish Chamber Orchestra), Bart Van Reyn (Le Concert d’Anvers), Gijs Leenaers (Concertgebouw Chamber Orchestra), Mats Bertilsson (Drottningholm Baroque) und Philip Pickett (Odense Symphony Orchestra) zusammen. Clares Name erschien auf der »Who’s Hot«-Liste der Zeitschrift Opera Now. Sie liebt es, auf der Opernbühne zu stehen und sang beispielsweise die Venere in Monteverdis Ballo delle Ingrate bei den BBC Proms und die Galatea in Händels Acis und Galatea beim London Handel Festival. Weiters wirkte sie in den Produktionen Little Match Girl Passion (David Lang,Cryptic Theater) sowie The Full Monteverdi (mit dem Ensemble I Fagiolini unter Robert Hollingworth) mit. Mit den Gambenconsorts Rose Consort of Viols und Fretwork verbindet sie eine jahrelange Freundschaft und Zusammenarbeit. Zahlreiche Komponisten haben Clare Werke gewidmet, wobei jene von John Joubert, Duncan Druce und Stephen Wilkinson von ihr in der Wigmore Hall in London uraufgeführt wurden.Nebst den erwähnten Bach-Aufnahmen beinhaltet Clares reiche Diskographie unter anderem Monteverdis L’Orfeo (A. Parrott), den von Gramophone preisgekrönten Messiah (J. Butt) und die CD Four Gentleman of the Chapel Royal (Rose Consort of Viols). The Silken Tent (Fretwork) mit zwei nie zuvor aufgenommenen Liedern von W. Byrd ist über die Webseite des Ensembles Fretwork erhältlich.   www.clare-wilkinson.com

Stephen Wilkinson wurde 1919 in einer ländlichen Gemeinde in der Nähe von Cambridge geboren. Er war Chorknabe an der Christ Church Cathedral in Oxford und erlangte später seine elementaren Kompositionskenntnisse an der renommierten St. Edward’s School bei Thomas Armstrong. Anschließend war er Orgelstipendiat am Queens’ College in Cambridge, woraufhin er sechs Jahre lang Kriegsdienst als Marinesoldat leistete. Danach schloss er sein Musikstudium ab und wurde Leiter der Hertfordshire Rural Music School, bis er schließlich 1953 in die BBC eintrat. Er arbeitete ab 1954 mit den BBC Northern Singers in Manchester, einem der herausragenden Chöre Großbritanniens. Von 1960 bis 1993 war er auch deren Chefdirigent. Es folgten zahlreiche Auftritte bei allen großen Festivals des Landes (Aldeburgh, Edinburgh, The Proms), Tourneen nach Australien, Belgien, Frankreich, Hong Kong, Irland, Polen, Spanien, Thailand und in die Türkei, die Mitwirkung bei vielen Rundfunk-Übertragungen sowie zahlreiche Kompositionsaufträge und Uraufführungen. CD-Aufnahmen des Chores wurden für den »Critics’ Choice« der Zeitschrift The Gramophone ausgewählt. Stephen arbeitete weiters mit den BBC Singers in London, den RTE Singers in Dublin, dem Nederlands Kammerkoor und mit isländischen und amerikanischen Chören. Stets galt seine besondere Leidenschaft der Arbeit mit Laienmusikern. Ab dem Jahr 1970 leitete er den von ihm gegründeten Chor The William Byrd Singers of Manchester, seit 1991 auch das angeschlossene Jugend-Streichensemble Capriccio. Mit diesen Ensembles unternahm er Auslandstourneen und brachte mehrere Auftragskompositionen zur Aufführung. Die Manchester University verlieh ihm 1984 die Ehrendoktorwürde »Master of Arts«, Queen Elizabeth II. ernannte ihn 1991 zum »Member of The British Empire«. Die CD Dover Beach, erschienen beim Label Deux-Elles, enthält eine Auswahl seiner eigenen Chorkompositionen. Die Liederbücher The Other Carol Book und Grass Roots sind bei Banks Music Publications erhältlich, die Sammlung The Sunlight in The Garden bei Forsyths in Manchester. Ein Zyklus traditioneller schottischer Melodien, Échos de l’Écosse, ist im Januar 2014 erschienen.