14 – The Soules Passions

Von den verschiedenen Polen der Leidenschaften

Samstag, 15. September | 18 Uhr
Stiftskirche St. Georgen/Längsee

Jan van Elsacker – Tenor

Prisma
Elisabeth Champollion – Blockflöte
Franciska Anna Hajdu – Violine
Dávid Budai – Viola da gamba
Alon Sariel – Laute

 

„Doch die Zahl der Haupt-Leidenschaften, die den Grund aller übrigen ausmachen, ist so groß nicht. Denn wenn wir alle diejenige durchlauffen, welche ich erzehlet, so können wir leicht sehen, daß es nur sechs Leidenschaften von dieser Art gebe, nehmlich, die Verwunderung, die Liebe, der Haß, die Begierde, die Fröhlichkeit und die Betrübnüß, auch die übrigen alle aus einigen von diesen sechs zusammengesetzet seyn.“

So zu lesen in René Descartes 1649 erschienenem Aufsatz Les Passions de l’âme – Die Leidenschaften der Seele. Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler widmet sich darin ganz den menschlichen Leidenschaften und unternimmt den Versuch, diese wissenschaftlich zu erläutern und zu analysieren. Zuvor stellt er allerdings klar, dass eine adäquate Behandlung dieses Themas nur möglich sei, wenn man Körper und Seele als zwei getrennte und unabhängig voneinander funktionierende Dinge begreife, denen er jeweils ganz bestimmte Aufgaben zuordnet.

Er führt weiters aus, dass nach seinem Verständnis die Seele zwar mit allen Teilen des Körpers untrennbar verbunden sei, sich also keinesfalls teilen lasse, es aber dennoch einen Ort gäbe, an dem sie ihren Hauptsitz habe: an der Glandula pinealis (Zirbeldrüse).

„Wir wollen also uns concipiren, dass die Seele ihren vornehmsten Sitz in der glandula (pinealis) habe, welche in der Mitte des Gehirnes befindlich, hieraus nun schiesset sie ihre Strahlen durch den ganzen Leib, nehmlich vermittelst der Lebens-Geister, der Nerven und des Blutes selber, welches der Impression der Lebens-Geister theilhafftig ist, und sie durch die Pulsadern in alle Glieder bringet.“

Doch nicht nur Descartes beschäftigte sich eingehend mit den Regungen der Seele, spätestens in der Renaissance begann auch die Musikwelt sich dafür zu interessieren, trachteten doch die Komponisten dieser Zeit mehr als je zuvor danach, die schier unerschöpfliche Bandbreite an Affekten in ihren Werken musikalisch zum Ausdruck zu bringen.

Auch Franciska, Elisabeth, Alon und Dávid geht es gerade darum, wenn sie für dieses Projekt gemeinsam mit dem Tenor Jan van Elsacker aus der Vielfalt der englischen Musik um 1600 schöpfen, jener Zeit, in der England in nie zuvor dagewesener kultureller Blüte stand und seine Komponisten es in der polyphonen Schreibart zu einzigartiger Meisterschaft gebracht hatten. Ihren Fokus legen sie dabei darauf, die verschiedenen Pole der Leidenschaften für uns hör- und erlebbar zu machen, denn wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten: So kann Liebe als Quelle höchsten Glückes empfunden werden, zugleich kann aus ihr auch rasende Eifersucht erwachsen, die den Liebenden in größtem Schmerz und ebensolcher Verzweiflung zurücklässt.

Wir hören Werke von Orlando Gibbons (1583–1625), Alfonso Ferrabosco (1575–1628), Tobias Hume (1569–1645) und Thomas Ford (1580–1648) u.a.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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