hero_ziriola

Vom Krieg der Sänger

Mit dem Sängerkrieg auf der Wartburg verbindet man zumeist Richard Wagners romantische Oper Tannhäuser. Als literarisches Zeugnis des hohen und späten Mittelalters in Form einer schrittweise gewachsenen Sammlung von mittelhochdeutschen Sangspruchgedichten ist die folgende Geschichte zwar nicht so bekannt, doch nicht minder spannend:

Es war um das Jahr 1206, als sich die berühmtesten Sänger ihrer Zeit – darunter Walther von der Vogelweide, Heinrich von Ofterdingen und Wolfram von Eschenbach – am Hof des Landgrafen Hermann I. von Thüringen auf der Wartburg einfanden, um im Wettstreit den Besten unter sich zu ermitteln.

So besangen sie in ihren Liedern die Schönheit der Frauen und die Tugend guter Fürsten, priesen den Gastgeber und lobten dessen Kunstsinn und Grosszügigkeit.

Warum Heinrich von Ofterdingen allerdings nicht dem Gastgeber, sondern seinem Herrn und Gönner Herzog Leopold VI. von Österreich huldigte, damit den Unmut Hermanns und des Publikums auf sich zog und sein Leben in höchste Gefahr brachte, entzieht sich unserer Kenntnis. Nur soviel sei an dieser Stelle noch verraten: Es bedurfte der Hilfe des aus Ungarn herbeigerufenen Meisters Klingsor, Magier und Sterndeuter, um den Streit friedlich beizulegen, ohne Heinrichs Haupt von dessen Rumpf zu trennen.

Mehr als 800 Jahre nach dem sagenumwobenen Ereignis setzt nun das eigens für diese Produktion zusammengestellte Ensemble die sehr wahrscheinlich erfundene Geschichte als neue Fiktion in Szene. Lieder aus der Feder der beteiligten Dichter – sofern diese nicht selbst reine Sagengestalten sind, instrumental begleitete Auszüge aus so bekannten Epen wie »Parzival« und klangvoll-filigrane Tanzlieder geben einen unterhaltsamen Einblick in die authentische Rekonstruktion mittelalterlicher Musik und Sprache.

Ensemble La Ziriola

Sebastian Pank – Heinrich von Ofterdingen Schalmei & Drehleier
Robert Weinkauf – Walther von der Vogelweide Trommel
Jörg Peukert – Klingsor, Wolfram von Eschenbach
Peter Rabanser – Biterolf Laute, Dudelsack
Susanne Ansorg – Fidel Kay Krause – Laute

Sebastian Pank wurde 1967 in Leipzig geboren und wuchs in einer Musikerfamile auf. Schon in seiner Kindheit lernte er Klavier, später als Schüler auch Oboe. Nach der Schule widmete er sich für ein Jahr dem Studium der Kirchenmusik, erlernte einen Metallberuf und studierte in der Folge Saxophon und Jazz an der Leipziger Musikhochschule. Bereits während der Schulzeit interessierte er sich mehr und mehr für Alte Musik und gründete mit Freunden 1984 das Ensemble IOCULATORES, mit dem er zahlreiche Konzerte im In- und Ausland gab und mehrere CDs veröffentlichte. Überdies arbeitete er als Kirchenmusiker und spielte Jazz und improvisierte Musik. 1993 gründete er das CD-Label RAUMKLANG und arbeitet seitdem vor allem als Produzent und Tonmeister für seinen Verlag. Im Jahr 2001 rief er gemeinsam mit IOCULATORES das Festival für mittelalterliche Musik »montalbâne« in Freyburg/Unstrut ins Leben und ist seitdem einer der Organisatoren. Seit 1998 lebt und arbeitet er auf Schloss Goseck in Sachsen-Anhalt. Er gründete das dort ansässige Musik- und Kulturzentrum, welches er auch heute noch leitet und wo er nach wie vor zahlreiche Konzerte veranstaltet.

Robert Weinkauf, Ausbildung in Klavier, Waldhorn und Gitarre sowie Gesangsstudium Jazz/Musical an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Sänger des Leipziger Ensembles für mittelalterliche Musik Ioculatores, zahlreiche Konzertreisen, CD-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen. Außerdem eigene ChanSong-Programme, Gitarrist, Sänger und Autor der Leipziger Beat-Band The Butlers, seit 2000 Projekt THE BUT – Fake Sixties unplugged. Hauptberuflich Repräsentanz für die Musikvertriebe Note1 und Codaex in den Neuen Ländern und Berlin.

Jörg Peukert, Studium der Geschichte und der Germanistik an der Universität Leipzig (Freyburg/Unstrut). 2003 Übernahme der Leitung des Museums Schloss Neuenburg. Seit 1991 wissenschaftlich- künstlerische Tätigkeit im konzeptionellen sowie aufführungspraktischen Bereich: thematische Konzertprogramme zur mittelalterlichen Musik und Literatur. Auftritte in Sprecherrollen (mittelhochdeutsch, frühneuhochdeutsch) mit verschiedenen Gruppen und Ensembles; diverse CD- und Rundfunk-Produktionen. In diesem Zusammenhang inhaltliche Schwerpunkte: mittelalterliche Epik, Minnesang und Sangspruchdichtung im mittel- und nordostdeutschen Raum, mittelalterliche Chronistik.

Peter Rabanser, Ausbildung in klassischer Gitarre, später Instrumente des Balkans und des Nahen Ostens. 1984 Mitbegründer des Ensembles Oni Wytars; seitdem intensive Auseinandersetzung mit süd- und osteuropäischen Musiktraditionen und deren Spuren in der Alten Musik. Workshops in Österreich, Deutschland und Italien. Konzertreisen, CD- und Rundfunkproduktionen mit den Ensembles Oni Wytars, Katharco Consort, Accentus und Unicorn, Ensemble Llull sowie mit Glen Velez, Renaud Garcia-Fons und René Clemencic. 2004 deutscher Weltmusikpreis Ruth-Newcomer mit Yalla Babo Express Orchestra.

Susanne Ansorg studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Leipzig sowie mittelalterliche Streichinstrumente und Musiktheorie des Mittelalters an der Schola Cantorum Basiliensis. Konzerte in Europa, Nord- und Südamerika, Japan und Australien mit verschiedenen Ensembles für mittelalterliche Musik, u.a. Sarband, Sequentia, Boston Camerata und The Harp Consort. Ständige Begleiterin von Maria Jonas/Köln. Lehraufträge, Projektleitung und Workshops zur Musik des Mittelalters. Künstlerische Leitung und Koordination des internationalen Musikfestivals montalbâne.

Kay Krause, Grafiker und Musiker. Schon als Schüler mit Folk- und Weltmusik als Gitarrist beschäftigt, dann bald mit Alter Musik auf Laute und Oud. Spielt in verschiedenen Konzert- und CD-Projekten sowie für Bühnenmusiken an Theatern, vorrangig mit mittelalterlicher Musik, aber auch experimenteller Musik und Jazz.

www.laziriola.de