04 | VOX NOSTRA RESONET

Die Kunst der mittelalterlichen Polyphonie

Samstag, 7. September | 19 Uhr
Stiftskirche St. Georgen/Längsee

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JERYCHO
PAWEŁ SZCZYCIŃSKI, RAFAŁ GROZDEW, MATEUSZ GRZYB – Tenor
MACIEJ KRÓLIKOWSKI, WAWRZYNIEC DĄBROWSKI – Bariton
ŁUKASZ KALISZ, STANISŁAW SZCZYCIŃSKI – Bass
RAFAŁ KANOWSKI – Basso Profondo
BARTOSZ IZBICKI – Leitung

Bei uns in Polen gibt es eine auf dem Gregorianischen Choral basierende Tradition des Kirchengesangs, die vom ausgehenden Mittelalter bis zumindest zur Hälfte des 19. Jahrhunderts ohne Unterbrechung Bestand hatte. Nachdem diese ab den 1860er-Jahren mehr und mehr aus den Kathedralen verschwand, lebte sie in vereinfachter Form als Volksgesang in den Dorfkirchen weiter, wo sie bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts gepflegt wurde.
Dass auch wir noch daran teilhaben dürfen, verdanken wir unseren Großeltern, vornehmlich unseren Großmüttern, die uns damit vertraut gemacht haben. Nun ist es unsere Aufgabe, dieses wertvolle Kulturgut am Leben zu erhalten und es an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Wir tun dies, indem wir in den Konzerten unseres Ensembles Jerycho jene unseren Ohren und Herzen so vertraute Art des Singens geistlicher Musik in unsere Interpretation von schriftlich überliefertem Repertoire aus dem (späten) Mittelalter einfließen lassen, und es ist die Begeisterung unseres Publikums, die uns darin bestärkt, dieser Idee auch weiterhin zu folgen.
Doch warum erscheint Musik aus längst vergangenen Epochen plötzlich so lebendig? Wir nähern uns diesem Repertoire auf eine Weise, die sich für uns natürlich anfühlt, selbst wenn wir damit nicht immer im Einklang mit historisch Überliefertem und den Ergebnissen der musikwissenschaftlichen Forschung stehen sollten. Dennoch gelingt es uns mittels unserer ganz persönlichen Vorstellung und unter Zuhilfenahme des bruchstückhaften Wissens, das wir aus den spärlichen Quellen über die Aufführungspraxis der Musik des späten Mittelalters beziehen, unsere Vision davon, wie es dereinst geklungen haben könnte, mit neuem Leben zu erfüllen.
Wir hören Stücke aus dem Codex Calixtinus (Spanien, 12. Jhd.), aus dem Codex Montpellier (Frankreich, 13./14. Jhd.) sowie Werke der Komponisten Pérotin (1160-1230), Urbanus Kungsperger (Wien, 15. Jhd.), Petrus de Grudencz (1392-1480) u.a.
Bartosz Izbicki

 

ÜBER DIE KÜNSTLER

Jerycho ist ein Vokalensemble, das die traditionelle Idiomatik liturgischer Gesänge ausreizt. Die Gruppe tritt mit polnischem und lateinischem Choralrepertoire auf und verwendet dabei Elemente einer von Bartosz Izbicki adaptierten improvisierten Polyphonie. Indem das Ensemble einen neuen musikalischen Raum für dieses frühe Repertoire schafft, trägt Jerycho dazu bei, die bis ins 19. Jahrhundert sehr lebendige und weit verbreitete Tradition des polnischen Chorals wiederzubeleben. Seit seinem Debüt 2014 war das Ensemble in verschiedene Programme involviert; von der Rekonstruktion der Musik für die Taufe des polnischen Prinzen Mesco im 10. Jahrhundert bis hin zu Musik des polnischen Goldenen Zeitalters der Polyphonie im 16. Jahrhundert, beispielsweise mit der polnischen Version von Josquins Missa Mater Patris. Einige dieser Projekte sind auf CDs dokumentiert: Laudario Polonico (2016), Elemosinarius (2016), Surgit Leo Fortis (2018), Bogarodzica (2018), Golgotha (2019).

Der Musikwissenschaftler und Organist Bartosz Izbicki, Schüler von Jerzy Pikulik und Marcel Pérès, beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der polnischen Choraltradition und mit liturgischer Monodie. Seit 2002 ist er Organist an der Basilika St. Johannes des Täufers (bekannt als Taufkirche Frederic Chopins). 2006 schloss er sein Doktorat zum Thema Gregorianik in der ältesten polnischen Benediktinerabtei in Tyniec ab. 2011 gründete er das Portal Cantus Planus in Polonia, welches mit dem internationalen Projekt Cantus Database verbunden ist, um polnische Choralmanuskripte – in Kooperation mit dem Institut der Künste an der Akademie der Wissenschaften Polen – Interessierten zugänglich zu machen. Bartosz publizierte verschiedene Artikel über die reiche Choraltradition im 19. Jahrhundert in Polen. 2013 gründete er das Ensemble Jerycho.

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