Wie freudig ist mein Herz

 J.S. Bach – K antaten für Sopran Solo, Oboe, Violinen, Viola und Basso continuo

Mein Herz schwimmt im Blut (BWV 199)
Weichet nur, betrübte Schatten (BWV 202)

Jenny Högström – Sopran
Nele Vertommen – Oboe & Covergirl der trigonale 2017
Elfa Rún Kristinsdóttir,
Santiago Medina – Violine
Ildiko Ludwig – Viola
Daniel Rosin – Violoncello
Elina Albach – Cembalo, Orgel & Leitung

In den beinahe fünf Jahrzehnten seiner kompositorischen Tätigkeit schuf J.S. Bach vermutlich an die 300 Kantaten, wovon uns mehr als 200 erhalten geblieben sind und die früheste davon – Nach dir, Herr, verlanget mich (BWV 150) – vermutlich aus dem Jahr 1706 stammen dürfte. Zu jener Zeit hatte Bach die Stelle des Organisten an der Neuen Kirche in Arnstadt inne und war überdies dazu verpflichtet, mit dem Chor des dortigen Lyzeums zusammenzuarbeiten. Dass ihm diese Tätigkeit immer nur Freude bereitet hat, darf durchaus bezweifelt werden, denn aus Aufzeichnungen in den Arnstädter Archiven wissen wir, dass der junge Musiker und Komponist aufgrund seines Verhaltens den Chormitgliedern gegenüber wiederholt von seinen Dienstgebern gerügt wurde. Mehr noch: Man beschwerte sich auch darüber, dass Bach seinen Urlaub unerlaubterweise um Wochen ausgedehnt und zu allem Überfluss in der Kirche mit einer »frembden Jungfer« musiziert habe. Selbst seine Art, Orgel zu spielen, missfiel den Mitgliedern des Arnstädter Konsistoriums. »Nichts wie weg hier«, mag er sich gedacht haben, als er schließlich 1707 bei weitaus höherer Bezahlung als Organist nach Mühlhausen wechselte, wo ihm die verbesserte wirtschaftliche Situation nun auch erlaubte, eine Familie zu gründen. Am 17. Oktober des Jahres schloss er mit Maria Barbara, einer Cousine zweiten Grades, seine erste Ehe, der sieben Kinder entspringen sollten. Doch schon bald musste das junge Paar Mühlhausen wieder verlassen, denn ein verheerender Brand hatte die Lebenshaltungskosten in einem solchen Maße steigen lassen, dass mit dem Gehalt nicht mehr auszukommen war und Bach aus diesem Grund nach nur einem Jahr in Mühlhausen als Hoforganist und Kammermusikus in den Dienst von Herzog Wilhelm Ernst in Weimar trat. Diese Stelle sollte er auch nahezu eine Dekade lang – bis 1717 – behalten. Ab März 1714 – Bach wurde zum Konzertmeister ernannt – übernahm dieser zusätzlich die Pflicht, alle vier Wochen im Hofgottesdienst eine Kantate eigener Komposition aufzuführen, die sich thematisch auf den jeweiligen Sonntag zu beziehen hatte. Bereits drei Wochen später erklang mit Himmelskönig, sei willkommen (BWV 182) das erste aus einer Serie von zumindest 20 Werken, die den Grundstock der späteren Leipziger Kantatenjahrgänge bilden sollten. Auch die im heutigen Konzert erklingende Kantate Mein Herz schwimmt im Blut (BWV 199) für Sopran, Oboe, zwei Violinen, Viola und Basso continuo zählt zu jenen Kompositionen, die schon bald darauf entstanden sein müssen, denn sie gelangte noch im selben Jahr, am 11. Sonntag nach Trinitatis, zur Aufführung. Ausgehend vom Evangeliumstext dieses Sonntags, dem Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lukas 18, 9-14), meditiert der Textdichter Georg Christian Lehms über das Thema Reue und Vergebung.

Bach selbst muss dieses Werk sehr geschätzt haben, denn es ist überliefert, dass die Kantate nicht nur in seiner Weimarer Zeit, sondern auch in seinen Köthener Jahren und schließlich in Leipzig Verwendung fand. Mit Weichet nur, betrübte Schatten (BWV 202) hören wir eine weltliche Kantate, die wohl für eine Hochzeit entstanden sein dürfte, es lassen sich aber leider weder das Jahr ihrer Entstehung noch Textdichter oder Zeitpunkt der ersten Aufführung belegen. Jedoch kann angenommen werden, dass Bach sie zwischen 1717 und 1723 komponierte. Möglicherweise erklang dieses Werk sogar aus Anlass seiner eigenen Vermählung mit seiner zweiten Frau, Anna Magdalena, am 3. Dezember 1721. By the way: BWV 202 zählt zu den am häufigsten aufgenommenen Kantaten J.S. Bachs.


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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