15 – Franz Schubert (1797–1828)

Winterreise op. 89, D911

Ein Cyclus von Liedern von Wilhelm Müller.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte. Op. 89.
Erste Abtheilung (Lied I–XII). Februar 1827.

Zweite Abtheilung (Lied XIII–XXIV). October 1827.

Samstag, 15. September | 20.30 Uhr
Rathaus St. Veit/Glan

Sharon Prushansky – Hammerflügel
Jakob Bloch Jespersen – Bassbariton

 

Mit seiner Winterreise schuf Franz Schubert nur ein Jahr vor seinem allzu frühen Tod den wohl berühmtesten Liederzyklus überhaupt. Begeben wir uns in die Zeit seiner Entstehung und lesen wir, was jene zu berichten wissen, die Augen- und Ohrenzeugen der ersten Aufführung im kleinen Kreis waren:

„Schubert wurde durch einige Zeit düster gestimmt und schien angegriffen. Auf meine Frage, was in ihm vorgehe, sagte er nur, ’nun, ihr werdet es bald hören und begreifen.’ Eines Tages sagte er zu mir, ’komme heute zu Schober, ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dieses bei anderen Liedern der Fall war.’ Er sang uns nun mit bewegter Stimme die ganze Winterreise durch. Wir waren über die düstere Stimmung dieser Lieder ganz verblüfft, und Schober sagte, es habe ihm nur ein Lied, Der Lindenbaum, gefallen. Schubert sagte hierauf nur, ’mir gefallen diese Lieder mehr als alle und sie werden euch auch noch gefallen’; und er hatte recht, bald waren wir begeistert von dem Eindruck der wehmütigen Lieder, die Vogl meisterhaft vortrug.“

So Joseph Ritter von Spaun, Schuberts wohl ältester Freund, der auch immer wieder als Gastgeber jener als Schubertiaden bezeichneten Zusammenkünfte fungierte, in denen der Komponist seine jüngsten Werke im kleinen Kreis vorstellte. Besagter Schober war übrigens Franz von Schober, jener wohlhabende Freund, bei dem Schubert nicht nur mehrere Jahre lebte. Von Schober stammt auch der Text zu einem seiner der bekanntesten Lieder: An die Musik, entstanden 1817. Hinter Vogl wiederum verbirgt sich der Sänger Johann Michael Vogl, ein weiterer Freund Schuberts, der maßgeblich zur Verbreitung seiner Lieder beitrug.

Eine Handlung sucht man in der Winterreise vergeblich, vielmehr ist sie eine Kette von Rückblicken und Stimmungen eines von der Liebe enttäuschten Mannes auf seiner ziellosen Reise durch eine Winterlandschaft. Und dass Schubert, dessen Sehnsucht nach Liebe, Nähe und Zärtlichkeit zeitlebens keine Erfüllung finden sollte, seine eigenen Erfahrungen und Empfindungen in seine Musik einfließen ließ, kann getrost angenommen werden. Auch seine weit fortgeschrittene Syphiliserkrankung blieb wohl nicht ohne Auswirkung auf das Werk. Ein weiterer Freund, der Dichter Johann Mayrhofer, berichtet:

„ … Anders in der Winterreise, deren Wahl schon beweiset, wie der Tonsetzer ernster geworden. Er war lange und schwer krank gewesen, er hatte niederschlagende Erfahrungen gemacht, dem Leben war die Rosenfarbe abgestreift; für ihn war Winter eingetreten. Die Ironie des Dichters, wurzelnd in Trostlosigkeit, hatte ihm zugesagt; er drückte sie in schneidenden Tönen aus. Ich wurde schmerzlich ergriffen.“

Durchaus möglich, dass sich in der Aufführung unserer Winterreise durch die israelische Hammerklaviervirtuosin Sharon Prushansky und den dänischen Bassbariton Jakob Bloch Jespersen wiederholt, was von einem namentlich nicht bekannten Zeitgenossen Schuberts überliefert ist:

„Und war das Lied zu Ende, so geschah es nicht selten, daß die Herren sich in die Arme stürzten, und das Übermaß des Gefühles in Tränen sich Bahn brach.“


 

Das gesamte Kapitel zu diesem Konzert – wie in unserem Reclam-Programmbuch 2017 abgedruckt – können Sie durch Klicken des Download-Buttons als PDF herunterladen.

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