Ob Emilio de’ Cavalieris Rappresentatione di Anima et di Corpo (1600) tatsächlich als erste Kirchenoper bezeichnet werden kann, darüber lässt sich trefflich streiten. Als gesichert gilt jedenfalls, dass es sich hierbei um einen Meilenstein der Musikgeschichte handelt, markiert das Werk doch den Wendepunkt zwischen Mysterienspiel und frühbarocker Oper.
Der Inhalt des Spiels von Seele und Körper, so der Titel im Deutschen, ist rasch erzählt: Seele (Anima) und Körper (Corpo) sind sich uneins darüber, ob der wahre Ort des Friedens denn nun hier auf Erden oder aber im Himmel zu finden sei. In ihrem Disput treffen sie auf zahlreiche allegorische Figuren (Zeit, Lust, Verstand, guter Rat), die sie in ihrer Entscheidung zu beeinflussen versuchen. Am Ende tragen Verstand und guter Rat den Sieg davon: Das weltliche Leben wird als Vorort der Hölle entlarvt, der Weg ins himmlische Paradies verbleibt als einzig anzustrebendes Ziel.
Im heiligen Jahr 1600 in Rom uraufgeführt, entfaltet sich das Werk als zutiefst menschliche Reflexion über Wahlmöglichkeiten und das Ringen um ein authentisches Leben in einer chaotischen und verführerischen Welt – Themen von zeitloser Aktualität.
Das Team um Emilė Ribokaitė präsentiert die Rappresentatione als szenische Produktion. Musikalisch fühlen sich die Künstlerinnen und Künstler der historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet; die Inszenierung hingegen greift nicht nur auf Schauspieltraditionen des 16. und 17. Jahrhunderts zurück, sondern lässt sich auch von zeitgenössischer Kunst inspirieren. Ganz bewusst wird auf eine – vordergründig – religiöse Darstellung verzichtet, um die Handlung über konfessionelle Grenzen hinaus wirken zu lassen.
Diese Produktion ist das künstlerische Abschlussprojekt von Emilė Ribokaitė, mit dem sie ihren Masterstudiengang Musik und Szene in Transformation an der Musik-Akademie Basel beendet. Unterstützt wird sie dabei von einem internationalen Ensemble aus jungen Musikerinnen und Musikern, allesamt Absolventinnen und Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis. Emilė Ribokaitė ist nicht zum ersten Mal bei uns zu Gast – bereits 2024 begeisterte sie unser Publikum gemeinsam mit Kolleginnen mit dem Projekt Quiet Songs in der Seminarkirche Tanzenberg.
ANIMA Emile Ribokaite – Sopran (Litauen)
CORPO Jorge Escutia – Bariton (Mexiko)
ANGELO CUSTODE Kaho Inoue – Sopran (Japan)
TEMPO, CONSIGLIO, MONDO
Arthur Baldensperger – Bariton (Frankreich)
VITA MONDANA Miriam Trias – Sopran (Spanien)
INTELLETTO Léon Roch – Tenor (Frankreich)
CORO Tutti
Indre Kučinskaite – Leitung, Zink, Blocklöten (Litauen)
Irene González Roldán – Leitung, Cembalo (Spanien)
Ula Kinder – Violine (Litauen)
Teresa Ortner – Dulzian, Zink, Blockflöten (Österreich)
BJ Hernandez – Posaune (USA)
Bianca Cucini – Viola da gamba (Italien)
Barbora Hulcová – Theorbe (Tschechien)
Produktionsassistenz – Rodrigo Melendez-Aquino
Choreinstudierung – Léon Roch
Musikalische Leitung – Indre Kučinskaite,
Irene González Roldán
Regie und künstlerische Gesamtleitung –
Emile Ribokaite